Die Fabrik (34)

„Moment mal, ihr zwei!“, warf ich entsetzt ein. „Das bedeutet ja, dass ich nach Eurer Prognose vielleicht noch ein, zwei Jahre habe.“
„So schauts aus“, gab sich Silf lapidar.
„Na prima!“, entfuhr es mir. Nach den vergangenen Monaten, die ich in fast himmlischer Ruhe und Ausgeglichenheit verbracht hatte, kam es mir vor, als würde mein Herz dem emotionalen Ansturm, dem es gerade zu begegnen hatte, nicht mehr gewachsen sein. Mir wurde schwindelig. Das Blut pochte in meinem Kopf. Ich rieb mir über die Augen und kam langsam wieder runter. Silf und Sandro sahen mich mitleidig an.
„Können wir etwas gegen die Vergiftung durch das Galvium unternehmen?“, fragte ich leide.
„Bestimmt sogar“, antwortete Silf. „Die Frage ist nur, wann wir ein Gegenmittel finden. Ich fürchte, dass uns in diesem Punkt die Zeit davon läuft. Wir haben hier kein voll ausgestattetes Labor, zu wenig medizinisch geschultes Personal und am Ende fehlt uns vielleicht genau der Stoff, den wir für eine Heilung benötigen.“ Sandro nickte zustimmend.
„Solche Forschungen können sich über Jahre erstrecken“, setzte er hinzu.
„O.k., sonst noch was?“ Ich hatte den dringenden Wunsch allein gelassen zu werden. „Unter diesen Umständen schlage ich vor, dass wir gleich mit der Suche nach einer Therapie anfangen. Einverstanden?“
Silf und Sandro standen auf. Beide machten auf mich nicht gerade einen optimistischen Eindruck

Wut stieg in mir auf, eine unsägliche, hilflose Wut angesichts des eigenen Todes, dem ich nun so unvermittelt gegenüber stand. Hinzu kam, dass sich ein Gedanke manifestierte, der meine Wut nach außen lenkte. Auf einmal fügten sich die Bruchstücke der rätselhaften Ereignisse, mit denen wir konfrontiert waren, zu einem Ganzen zusammen. Mir wurde auf einmal klar, dass die Zentrale über die unheilvolle Wirkung des Galviums Bescheid wissen musste. Sicher war es in den Reihen derer, die früher auf Hegel III gearbeitet hatten und anschließend zu anderen Niederlassungen versetzt worden waren, zu mysteriösen Todesfällen. Genauso sicher hatte man in der Zentrale daraus die richtigen Schlüsse gezogen und anscheinend beschlossen, die Sache unter den Teppich zu kehren. Man ließ uns hier verrecken, um Entschädigungszahlungen und einem schlimmen Imageschaden aus dem Weg zu gehen.
Ich sprang von meinem Sitz hoch, griff nach dem Galviumbrocken auf dem Schreibtisch und warf diesen hasserfüllt gegen die Wand. Das Sicherheitsglas, hinter dem der Brocken ruhte, hielt meinem Angriff stand. Ich starrte auf den am Boden liegenden Quader und fing an zu weinen.

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