Die Fabrik (16)

Die Lähmung, die mich befallen hatte, löste sich erst, als ich mich daran erinnerte, dass Sam noch nichts von dem Vorfall wusste. Da er als Täter wohl ziemlich sicher ausschied, wollte ich ihn benachrichtigen. Doch zuvor gab ich den Fertigungsleitern die Instruktion durch, dass sie die Qualitätsstandards so erhöhen sollten, dass Fehler, die sowieso äußerst selten vorkamen, völlig ausgeschlossen wurden. Die Programmierung er Robots war entsprechend zu ändern und die Mitarbeiter über die neuen Produktionsziele umgehend zu informieren. Meine Mitteilung beinhaltete auch die Androhung von Lohnkürzungen im Fall von dennoch auftretenden Mängeln an unseren Produkten.
Im Geiste sah ich die versammelten Vorarbeiter kopfschüttelnd vor mir stehen. Sollten sie denken, was sie wollten. Ich hatte mich um andere Dinge zu kümmern.
Die Truppe auf Hegel III war ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Die Männer stammten aus allen erdenklichen Ecken der erforschten und besiedelten Galaxie. Keiner von ihnen blieb länger als eine Vertragslänge lang. Die einzigen Ausnahmen waren Sam und ich. Diese Regel, auf deren Befolgung die Zentrale strikt beharrte, erklärten wir uns damit, dass auf diese Art die Bildung unsauberer Strukturen in einem von großer Geheimhaltung geprägten Bereich unterbunden werden sollte. Sam und mir vertraute man wohl.
Nach dem Ablauf ihrer vier Jahre bei uns wurden die Arbeiter und Wissenschaftler in andere Niederlassungen versetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die abgelösten Männer pro Vertragszyklus immer auf verschiedene Planeten kamen. So kam es selten vor, dass sich zwei wieder trafen, die zur gleichen Zeit auf Hegel III gearbeitet hatten. Der Bekanntheit unserer Niederlassung war dieses Vorgehen natürlich nicht gerade förderlich. Bei Besuchen auf der Erde oder anderen Urlaubsplaneten war ich immer wieder überrascht, wie wenig Menschen je von unserer Fabrik gehört hatten, obwohl sie doch Produkte fertigte, die für eine Großzahl der Reisenden wichtig waren.
Auf dem Weg zu Sams Quartier begegnete ich Hank. Seine sonst etwas missmutig wirkenden Gesichtzüge waren geglättet. Er strahlte mich an.
„Damian! Schön dich zu sehen“, begrüßte er mich. „Hast du schon unseren neuen Produktionsrekord registriert? Die Männer sind seit ein paar Tagen wie ausgetauscht. Sogar die Maschinen scheinen schneller und besser als sonst zu arbeiten.“
„Ja, habe ich schon bemerkt“, antwortete ich ihm.
„Ist das nicht lustig? Da braucht bald keiner mehr unsere Motoren und trotzdem produzieren wir um die Wette.“
„Ja, lustig, Hank.“ Es schien mir, als wollte er noch über etwas anderes mit mir sprechen.
„Gibt’s sonst noch was?“
„Ach, nichts wichtiges. Lass uns mal in Ruhe darüber reden“, meinte er und ließ mich gehen.

Sam stand vor seiner 3D-Staffelei und entwarf ein Bild, als ich bei ihm eintrat.
„Was war denn heute Morgen los?“, wollte er wissen.
„Ein Toter“, antwortete ich lakonisch.
„Wer?“
„McKinlock aus der Bio-Sektion.“
„Und?“
Ich berichtete ihm alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt wusste. Zu meiner Überraschung nahm er meine Worte ohne äußere Regung zur Kenntnis.
„Da hast du ja mal einen richtigen Kriminalfall. Hast du dir das nicht immer insgeheim gewünscht?“ Er lächelte mich mit einem Augenzwinkern an.

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2 Gedanken zu “Die Fabrik (16)

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