Die Fabrik (13)

Der folgende Morgen brachte das zweite Frühstück mit Sam seit er sich aus taktischen Gründen aus dem Alltagsbetrieb der Fabrik herausgenommen und sich in sein Quartier zurückgezogen hatte. Täuschte ich mich oder sah er krank aus? Seine sonst so leuchtenden Augen lagen tief und stumpf in ihren Höhlen.
Ich berichtete ihm von der hervorragenden Stimmung, die sich in der gesamten Station breit gemacht hatte. Das schien ihn aufzuheitern.
„Hervorragend. Vielleicht sollte ich öfter Urlaub machen und ihnen die Geschäfte übertragen“, lachte er.
„Ganz so hervorragend ist die Lage dennoch nicht“, sagte ich, auch wenn ich ihn gern weiter bei Laune gehalten hätte.
„Unser Sorgenkind?“
„Nein, die verhält sich erstaunlich zahm. Gut, sie mag unsere Station nicht, weil wir ihr nicht soviel zu bieten haben wie die Jungs auf Aurea, aber alles in allem scheint sie sich damit abgefunden zu haben, die nächsten Tage bei uns zu bleiben“, gab ich ihm Auskunft.
„Ihr Schiff ist also hinüber?“, fragte er und ich erinnerte mich, dass Sam von der Entwicklung der letzten 24 Stunden noch nichts mitbekommen hatte. Der sonst so gut Informierte war auf mich angewiesen. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.
„Ja, sorry! Wie du vermutet hattest. Uns fehlen die Teile, um den Kahn wieder flott zu bekommen. Da ist nichts zu machen.“
„Aha!“, sagte Sam nur.
„Und da ist noch etwas. Das Schiff sieht aus, als wäre es gerade erst gründlich gereinigt und noch nicht lange bewohnt worden. Um genauer zu sein, es sieht aus, wie auf dem Jungfernflug und nicht so als hätte die Besitzerin schon mehrere Trip quer durch die bekannte Galaxis hinter sich.“
„Interessant! Hast Du Daria darauf angesprochen?“, wollte mein Chef wissen.
„Bisher nicht.“
„Sehr gut. Unterlass das bitte auch. Ich muss erst darüber nachdenken. Kommen wir jetzt zu dem, was dir trotz der guten Laune in der Fabrik Sorgen macht.“
Meine Analyse der Produktionsstatistiken schien Sam eher zu amüsieren als zu beunruhigen.
„Kein Problem“, sagte er, als ich geschlossen hatte. „Das wusste doch schon der alte Professor Matt, was eine geschlossene Produktionseinheit im Fall einer ungewollten Erhöhung der Quantitäten beim Output zu tun hat.“ Er sah mich an, als erwartete er von mir die richtige Antwort. Ich musste allerdings passen.
„Tut mir leid, Sam, aber wie du weißt, bin ich weder Techniker noch Wirtschaftswissenschaftler.“
„Das bin ich auch nicht“, stieß er fast etwas ärgerlich hervor, „und trotzdem habe ich mir ein wenig von dem Wissen angeeignet, das nötig ist, diesen Betrieb hier am Laufen zu halten.“
Ich war beschämt und Sam sensibel genug, das zu bemerken.
„Na, komm schon. Was machen wir bei einem Zuviel an Quantität?“, hakte er diesmal deutlich freundlicher nach. Ich überlegte. Schließlich kam ich auf eine schlüssige Antwort.
„Wir erhöhen die Qualität.“
„Bingo! Lass die Jungs die Maschinen bis zum Gehtnichtmehr überprüfen, bevor sie sie in die Abnahme geben. Verhänge Sanktionen für die, die Fehler nicht erkennen und korrigieren.“
„So machen wir das“, sagte ich zufrieden mit dem Ergebnis unseres Gesprächs. „Danke dir, Sam.“
Wir wollten gerade zum gemütlichen Teil unseres Frühstücks übergehen, da knackste der Kommunikator, der an Sams Kabinenwand angebracht war.
„Damian, hier spricht Li. Komm bitte schnell in den Aquabereich. Wir haben hier ein Problem.“

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