Die Fabrik (8)

„Was tut das zur Sache? Es ist hier so gut, wie auf jedem anderen Planeten auch. Abgesehen davon, dass wir auf Hegel III keine Strände zu bieten haben.“
Wir lachten und ließen den Getränkerobot nachschenken.
Daria trank wie ein Kerl. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sie stets Herr ihrer Sinne blieb. Ich dagegen war schon reichlich angeschlagen. Ungern erinnerte ich mich daran, dass ich am nächsten Tag zu arbeiten hatte.

Eine Stunde später lag ich im Bett. Meine Gedanken kreisten um Daria Wu und das Leben, das ich führte. Eine Welle tiefer Zufriedenheit erfasste mich. Ich hatte einen anständigen Job, kam mit den Kollegen gut aus und meine kleine Kabine war mir längst zur Heimat geworden. Wenn es so etwas wie Glück gab, so fühlte ich es in diesem einsamen Moment.

Pünktlich aber mit schwerem Kopf saß ich am nächsten Morgen Sam gegenüber. Wir frühstückten zusammen und besprachen das, was anlag. Natürlich musste ich ihm zuerst über den vergangenen Abend berichten.
„Die Männer waren alle blendend drauf. Das bisschen Abwechslung tut ihnen gut. Unserem Gast gegenüber haben sie sich entgegen meiner Befürchtungen sehr sittsam verhalten. Keine blöde Anmache, keine Ausbrüche irgendwelcher Art.“
„Hat sie sich nach mir erkundigt?“, fragte Sam, als wäre das das Einzige, was ihn interessierte.
„Nein“, antwortete ich. „Dafür wäre sie auch, angenommen sie weiß überhaupt, dass du hier bist, viel zu klug.“
„Ja“, sagte er. „Und sonst?“
„Alles im grünen Bereich. Die Maschinen arbeiten reibungslos. Die Produktion läuft. De Pierre und Dio schauen sich heute Vormittag noch das Schiff der Madame an.“
„Da bin ich ja mal gespannt. Lass dich bitte genau über die Ergebnisse unterrichten“, ermahnte mich Sam.
Den Rest des Frühstücks nahmen wir schweigend ein. Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zu Sams Büro, das ich für die nächsten Tage beziehen sollte.
Schwer ließ ich mich in den Chefsessel fallen. Mein Blick wanderte durch den Raum und blieb an dem Galviumbrocken auf dem Schreibtisch hängen. Der Grund für unseren Aufenthalt auf Hegel III. Nirgends sonst in der erforschten Galaxis gab es diese Vorkommen und mit keinem anderen Stoff waren die Fiktivmotoren, die wir fertigten, zu bauen. Es mochte inzwischen eine andere, überlegene und billige Art der Produktion geben. Dennoch waren wir es, die die Pionierarbeit geleistet hatten. Stolz schwang in meinen Überlegungen mit.
Ich gab dem Diginetz den Befehl, auf der Oberfläche von Sams Schreibtisch die Bildfolien zu aktivieren. Neun Bilder, die mir einen Überblick über die wichtigsten Teile der Fabrik lieferten, entstanden vor meinen Augen. Kamera 5 zeigte die Endmontage. Ich konnte Hank erkennen, wie er um einen fertigen Motor herumging und einige Tests vornahm. Als er damit fertig war, ließ er das Fließband an und schaute dem Ergebnis seiner Arbeit zufrieden hinterher.
Ein leiser Piepston unterbrach meine Betrachtung dieser fast friedlich wirkenden Szene.
„Ja, bitte“, sagte ich.
„Hier spricht Dio“, erklang eine raue Stimme. „De Pierre und ich haben uns mal das Schiff der Lady vorgenommen. Das schaut überhaupt nicht gut aus, Damian.“
„Haben wir ja auch nicht anders erwartet“, gab ich zurück.
„Ja, aber ich fürchte, dass wir da wenig machen können. Wir bräuchten Ersatzteile, die wir nicht vorrätig haben.“
„Können wir nicht irgendwas improvisieren? Muss ja nicht für die Ewigkeit halten“ schlug ich vor und vertraute dabei auf den Ideenreichtum der Männer.
„Sorry, aber in dem Fall … Da ist nichts zu machen.“
„Was schlagen sie vor, Dio?“
„Ganz einfach. Die Dame wird uns wohl noch etwas Gesellschaft leisten und auf das nächste Versorgungsschiff warten müssen.“
„Das kommt erst in zehn Tagen.“
„Wenn sie das sagen, Chef. Wir sind hier jedenfalls fertig. De Pierre und ich verlassen das Schiff jetzt wieder, wenns recht ist.“
„Ist ihnen denn sonst etwas aufgefallen?“, wollte ich noch wissen.
„Eigentlich nicht. Es ist nur alles so unheimlich sauber hier. Nichts liegt herum, keine Verschmutzungen an den Maschinen. Die Lady scheint ein echter Ordnungsfreak zu sein.“
„Also gut, danke. Lassen sie das Schott offen. Ich verschaffe mir gleich selbst noch einen Überblick.“
„Benutzte Unterwäsche werden sie aber hier nicht finden“, scherzte Dio in ungewohnt unverschämter Art. Ich kannte ihn eigentlich als überaus korrekten Arbeiter, der seine Grenzen durchaus kannte und akzeptierte.
„Das will ich nicht gehört haben, Dio. Reißen sie sich zusammen, Mann“, sagte ich, doch war die Verbindung schon unterbrochen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s