Superloser (17)

Als er wieder draußen auf dem Bürgersteig stand, konnte er ein unangenehmes Gefühl von Argwohn nicht unterdrücken. Es lief für ihn fast zu glatt. Das war er nicht gewohnt. Er wartete darauf, dass etwas schief ging, aber bisher war das große Unglück ausgeblieben und die Sache mit Jette lief rund.
Sie gefiel ihm wirklich sehr. Auch dass sie die Initiative übernommen und ihn jetzt zu irgendetwas einlud, beigeisterte ihn. Eine Frau, die wusste, wo es lang ging. Etwas Besseres konnte einem Hänger wie ihm gar nicht passieren.
„Gratuliere, Alter“, dachte er.
Von einem für seine Verhältnisse unglaublichem Tatendrang getrieben, beschloss er den Bus zu Marc zu nehmen und endlich den ganzen Mist, der sich in den letzten Wochen zwischen den beiden Freunden angesammelt hatte, beiseite zu räumen.
„Wow, es ist nach Mittag und du bist nüchtern. Wie hast du das denn fertig gebracht?“, witzelte Marc zu seiner Begrüßung.
„Sehr lustig! Ja, ja. Darf ich reinkommen?“
„Na, klar, aber zieh dir bitte draußen deine vermatschten Schuhe aus.“
Gottfried bückte sich, um die Schnürbänder seiner Stiefel zu lösen. Keuchend kam er wieder in die Senkrechte. „Ich muss mal wieder Sport machen. Ich muss mal wieder Sport machen“, versuchte er sich einzuschärfen, bevor er auf Socken in das Haus von Marcs Eltern eintrat.
Sein alter Kumpel zeigte stumm auf die Küche und als Gottfried dort hin sah, konnte er durch den Türrahmen hindurch Anton erkennen, der mit dem Rücken zu ihnen am Küchentisch saß. Durch Heben seiner Augenbrauen und verstärktes Deuten mit dem rechten Zeigefinger dirigierte Marc seinen Besucher in die Küche und vor das Angesicht Antons. Es war stark lädiert und hatte nichts mehr von der spöttischen Überheblichkeit, die es sonst so markant dominierte. Dieses Gesicht, in das Gottfried blicken musste, sah erschreckend und bemitleidenswert zugleich aus. Zwei blaue Augen, eine gerötete und leicht geschwollene Nase und einige Kratzwunden auf den Backen, links stärker als rechts verrieten, dass Anton Teil einer Auseinandersetzung geworden war, aus der er nicht unbedingt als eindeutiger Sieger hervorgegangen war.
„Carola“, fragte Gottfried verständnisvoll.
Anton nickte.
„Ich habs euch doch gleich gesagt. Das ist keine Frau, auch wenn sie so aussehen mag, das ist eine Bestie.“
Von hinten trat Marc an ihn heran und legte ihm freundschaftlich einen Arm auf die Schulter.
„Sorry, Gott, da haben wir uns wohl getäuscht. Tut mir echt leid“
„Ja, schon gut. Tut mir auch leid, dass ich dich gestern versetzt habe. Ich bin einfach nicht aus dem Bett gekommen  Kennst mich ja“, gab Gottfried fröhlich zurück. „Das Ganze hatte aber auch sein Gutes. Ich habe im Drei Engel jemanden kennen gelernt.“
Anton stand auf und verließ gebeugt die Küche. Er wollte sich wohl keine Erfolgsmeldungen anderer Leute anhören.
„Erzähl!“, forderte Marc.

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