Superloser (11)

Er brach ab, weil sich nur sehr schwer konzentrieren konnte. Kims Lachnummer, deren Opfer er geworden war, stellte sich immer wieder dem Fluss seiner Gedanken in den Weg. Er musste raus und sich dem Spott stellen, sonst würde es noch schlimmer werden. Außerdem – und das passte ganz gut zu seinem Vorhaben – hatte er gerade sein letztes Bier ausgetrunken. Schlendernd begab er sich also zu Kims Tanke und wurde gleich, als er um die Ecke des Platzes bog, von grinsenden und lachenden Gesichtern begrüßt. Man freute sich ihn zu sehen.
Ohne seine Bestellung abzuwarten stellte ihm Kim ein kühles Bier hin.
„Heute trinkst du umsonst. Wenn man schon keine Eier mehr hat, braucht man was anderes.“ Der Spott traf Gottfried tief, auch wenn er den Zusammenhang zwischen einer Sterilisation ohne Eingriff und dem Fehlen von Hoden nicht recht erkennen mochte. Schamesröte stieg ihm ins Gesicht. Trotzdem hob er tapfer seine Flasche in die Höhe und prostete den anderen Gästen lächelnd zu.
Claas klopfte ihm brüderlich auf die Schulter.
„Toller Gag, oder? Das musst du schon zugeben. Was man alles mit einem Computer und einem Drucker anfangen kann. Sagenhaft.“
„Und wer hat sich das alles ausgedacht?“, wollte Gottfried wissen.
„Plörrer hier“, klärte Claas ihn auf.
Ein junger Kerl mit Beatlesfrisur trat vor ihn hin.
„Dir habe ich das also zu verdanken.“
„Kann man sagen ja“, nuschelte Plörrer. „Ich habe mal in einer Werbefirma gearbeitet. Da kommen einem die merkwürdigsten Ideen.“
Diese eher trockene Erwiderung verblüffte Gottfried. Dieser Typ schien der Einzige zu sein, der das Ganze eher von einer professionellen als der humoristischen Seite betrachtete. Zumindest stand ihm kein Spott ins Gesicht geschrieben. Mitgefühl allerdings auch nicht.
Nach einer halben Stunde und einem weiteren Bier war die Sache für Gottfried überstanden. Man wendete sich wieder anderen Themen zu und er konnte endlich die Frage loswerden, die er mit zum Kiosk gebracht hatte.
„Sag mal, Kim, wenn du jemanden umbringen wolltest, wie würdest du das angehen?“
„Hm“, machte der Kioskbesitzer und noch mal „Hm.“
„Natürlich sollte dich dabei niemand erwischen. Muss wie ein Unfall aussehen“, half ihm Gottfried auf die Sprünge.
„Hm. Ich weiß nicht. Bis jetzt wollte ich noch niemanden killen. Aber was fragst du mich auch so Zeugs? Du wirst uns doch diesen doofen Scherz nicht übelnehmen?“
„I wo“, sagte Gottfried und wand sich mit seinem Anliegen den anderen zu.
Plörrer plädierte für einen Unfall im Haushalt. „Da kommen die meisten um. Das fällt nicht so auf“, meinte er.
Der alte Fritz war für Totschießen in aller Öffentlichkeit. „Nichtregistrierte Pistole oder so was. Ich kenne da jemanden.“
Claas schließlich erzählte, dass in seiner Familie schon zwei Menschen durch Gift ums Leben gekommen waren und bis heute niemand diese Morde aufgeklärt hätte. Der Vorteil läge darin, dass man sich damit Zeit lassen konnte und die Auswahl der Mittelchen nahezu unbegrenzt war.
„Aber fällt das denn nicht auf?“ fragte Gottfried, der interessiert zugehört hatte.
„Na, am besten nicht. Wenn jemand zum Beispiel eh schon krank war, wird das gar nicht groß untersucht. Meine Großmutter zum Beispiel ist an zuviel Insulin gestorben.“
„Was es nicht alles gibt“, warf Kim ein und steckte sich eine Zigarette in den Mund.

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