Trips Welt (58)

Beim Steigen der Treppen in seinem Treppenhaus überlegt er es sich doch wieder anders. Blumen sind für eine lange Schiffsreise wohl nicht das Wahre. Ein Buch ist da viel geeigneter, handlicher und ebenso schnell zu besorgen wie Blumen. Ein Buch also, aber welches? Er kennt nicht besonders viele Bücher und vor allem weiß er nicht, welche sie schon gelesen hat.
Durch die Wohnungstür hindurch hört er das Telefon und den Fernseher. Schnell schließt er auf und stürzt auf das Klingeln zu. Hastig nimmt er den Hörer ab.
„Ah, du bist ja doch da“, sagt Britta. „Ich wollte schon wieder auflegen.“ Nebenan zappen sich Carmen und Rafael durch die Programme. Blaues Licht zuckt unrhythmisch aus dem Wohnzimmer hinaus in den Flur.
Brittas Stimme klingt nervös: „Trip, es tut mir leid, aber ich habe morgen nichts zu tun für dich. Du kannst zu Hause bleiben.“
„Wie meinst du das, Britta?“, will er wissen.
„Ich meine das so“, und ihre Aussprache ist auf ein Mal laut und fest, „dass wir einen Gang zurück schalten. Schau: Carlo hat seine Prüfungen hinter sich und kann wieder mehr arbeiten. Vor allem scheint es aber für dich schwierig zu sein, Abstand zu halten. Wirklich sorry, Trip, aber ich habe schon genug Stress daheim. Sorry echt.“
„Und das sagst du mir einfach so am Telefon?“
„Komm schon! Davon geht die Welt jetzt auch nicht unter. Ich schmeiße dich ja nicht raus. Du hilfst einfach wieder aus, so wie früher. Da war dir das doch auch ganz recht.“
„Britta, dieser Job ist mir verdammt wichtig. Du bist mir wichtig. Ich will nicht, dass es wieder so wird wie früher.“
„Ach herrje, Trip, mach es mir doch nicht so schwierig. Es ist ja alles gut mit uns beiden, aber ich kann dich nicht jeden Tag um mich haben, wenn ich weiß, dass du vor Eifersucht vergehst, sobald ich mal was mit einem anderen habe. Ich will Freiheit und sonst gar nichts. Im Moment jedenfalls. Falls sich das ändert, sage ich dir Bescheid. Versprochen“
Carmen quickt vor Vergnügen. Rafael brummt irgendetwas auf Spanisch. Ein spitzes Lachen kommt aus dem Wohnzimmer. Trip schaut verärgert zu den beiden hinein, legt zischend den Zeigefinger vor die Lippen und schließt die Tür.
„Sind sie noch da?“, fragt Britta.
„Ja, scheint so.“
„Tja, dann.“
„Dann.“

Er geht in die Küche, setzt sich, stützt den Kopf auf seine Hände und schließt die Augen. Seine Lider zucken. Beinahe meint er weinen zu können. Aber dann kommt Carmen zu ihm und legt ihm ihren Arm um die Schulter. Er schaut aus traurigen Augen in ihr fröhliches, helles Gesicht.
„Was denn los mir dir?“
„Was mit mir los ist? Keine Ahnung. Was ist mit euch allen los? Was habe ich euch getan?“, fragte er zurück. Jetzt weint er wirklich und sie steht hilflos vor ihm, versucht ihn zu umarmen, er wehrt sich aber, will nicht getröstet werden.
Stattdessen die Flucht ins Bett.

Vom Flur dringt durch die geriffelte Glasscheibe der Tür etwas Licht zu ihm. Es ist ruhig geworden. Er sieht sich um. Ganz entspannt liegt er da. Sein Körper fühlt sich warm an. Er atmet gleichmäßig. Oben auf dem Kleiderschrank steht eine Dose voll mit Tabak.

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4 Gedanken zu “Trips Welt (58)

  1. Wie? Was? Das soll das Ende sein? Trip, der ewige Loser, der im Grunde zufrieden ist, wenn nur oben auf dem Kleiderschrank eine Dose voll mit Tabak steht? Ein Fick mit Britt müsste wengistens noch drin sein! Bitte, Herr Vau, denken Sie nach!

  2. @ Miss_Bluewhitey: Sicher, ein Fick ist auch nicht immer die Lösung. Aber ich habe ja auch nicht von einer Lösung gesprochen. Eine Lösung! Für was gibt es schon eine Lösung! Ich bitte Sie, seien Sie nicht naiv. Seien Sie ehrlich, ein Ende mit Ficken ist besser als eines ohne. Im wirklichen Leben mag das vielleicht anders sein. Aber bei einem Fortsetzungsroman wie „Trips Welt“ erwarte ich schon ein Minimum an epischer Gerechtigkeit. Schönen Abend noch.

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