Trips Welt (55)

Sie sitzen noch eine Weile zusammen, reden und trinken. Er erzählt von Britta und sie erzählen ihm eine Geschichte über ihre Flucht durch halb Deutschland. Carmen bemüht sich, das Ganze so hinzubiegen, dass Trip nicht auf die Idee kommt, nur benutzt und belogen worden zu sein. Ihre Mutter ist also weiterhin tot und Rafael und sie sind sich auch erst nach dem Aufenthalt in Kamen näher gekommen. Was würde Trip schon die ganze Wahrheit nutzen? Sie würde auf jeden Fall einen Abend zerstören, der ihnen wie ein unverhofftes Geschenk zugekommen ist. Es ist als hätten sie einen stillen Pakt geschlossen, ein Einverständnis gefunden, es einfach gut sein zu lassen.
Zurück in der Wohnung nimmt Carmen ihr Bettzeug und zieht zu Rafael auf das ausgeklappte Sofa. Trip schaut ihr beschwippst und ein wenig reumütig nach. „Diesen prächtigen Arsch werde ich wohl nie wieder in meinem Bett liegen haben“, denkt er und schmeißt sich in die Federn.

Die Stimmung am nächsten Morgen ist gedrückt. Alle drei hängen sie verkatert über ihren Kaffeetassen und schweigen.
Dann fragt Trip: „Und wollt ihr heute zu der Beerdigung?“
„Wir wissen ja nicht, wo die stattfindet“, meint Carmen und Rafael wirft ein: „Lasst die Toten ihre Toten begraben.“
Damit ist das Thema vom Tisch und Trip macht sich mit schwerem Kopf auf zum Linksaußen. Er ist froh, etwas zu tun zu haben. Außerdem freut er sich auf Britta, denn obwohl sie ihm ja unmissverständlich klar gemacht hat, was sie will und was nicht, hegt er Hoffnungen, dass doch etwas mehr aus ihrer Freundschaft werden könnte. Er hofft, dass sie sich in den nächsten Tagen mal wieder Zeit für ihn nimmt.
Über die vergangenen Wochen hin weg hat er sich von ihr ein neues Bild von ihr machen können. Dachte er früher sie wäre eine ziemlich harte Frau, die vor allem das Wohl ihres Cafes und damit ihres Geldbeutels in Sinn hat, kennt er nun eine Britta, die überaus lebenslustig, offen, warmherzig und mitfühlend ist. Seiner Meinung nach sind solche Frauen heute fast nicht mehr zu finden. Die, die er sonst wahrnimmt, sind püppchenhaft, falsch und nur hinter medialen Klischees hinter her. Vielleicht täuschen ihn da der erste und der zweite Eindruck genauso wie bei Britta. Vielleicht aber auch nicht.

Sein Arbeitstag beginnt mit routinierten Anweisungen. Die Küche muss gründlich gereinigt werden, er soll zehn Kartons Glühwein von Aldi holen und mal wieder die Seifenspender in den Toiletten checken.
„Im Winter waschen sich alle Leute die Hände – ständig – weil sie Angst haben, sich anzustecken“, erklärt sie ihm.
„Dann lass uns doch einen Hygieneaufschlag nehmen“, lacht er.

Bis zum frühen Nachmittag hat er zu tun. Britta bedient die Gäste. Dann wird es etwas ruhiger und er kann eine rauchen gehen. Sie stellt sich neben ihn vor die Tür. Ein eisiger Wind kommt direkt vom Nordpol die Straße herunter. Sie schlägt ihre Arme um den Körper und macht „Brrr“.
„Ich wünschte, ich könnte mit Toni ein paar Wochen in die Sonne fahren.“
„Wer ist Toni?“
„Ein Sudanese, den ich vorgestern im Soul Infusion kennen gelernt habe. Er kommt heute Abend und holt mich ab. Dann könnt ihr euch kennen lernen. Netter Typ.“
Trip gelingt ein Lächeln. „Au ja“, sagt er und schaut dem Rauch nach, der es schwer hat, sich mit der kalten Luft zu vermischen.
Nachdem er seine Kippe ausgetreten hat, nimmt ihn Britta am Arm.
„Na, komm schon, wir machen weiter.“

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2 Gedanken zu “Trips Welt (55)

  1. Ja, war’s das jetzt, oder was? Oder hat man mir mein Abo gekündigt? Ich hab doch bezahlt! Wo bleibt die Fortsetzung?

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