Trips Welt (54)

Ich bin viel zu aufgeregt, um etwas von der Pizza runterzukriegen und Trip redet ohne Ende. Rafael isst in der Zwischenzeit meinen Teller leer. Dem geht es natürlich auch hervorragend. Ich dagegen bin super nervös. Ist ja auch nicht ganz einfach, was ich Trip gleich mitteilen muss.
Morgen soll Peters Beisetzung stattfinden. Wo, konnte uns Trip nicht sagen, aber er ist ganz verrückt danach mitzukommen.
„Was soll ich nur anziehen?“, fragt er mich. „Das einzige Schwarze, was ich habe, sind meine alten Metal-T-Shirts und eine Lederhose.“
Er ist so süß in seinem Überschwang. Ich lächle ihn an. Er schaut verliebt zurück. Ich zwinge mich, an letzte Nacht zu denken. Das hilft mir, genug Aggression aufzubauen.
Heute Morgen, als er endlich aus dem Haus war, bin ich sofort zu Rafael gegangen und habe ihn zu mir ins Bett geholt. Ich musste nicht lange bitten, dann ist er wie wild über mich her gefallen. Es war als wischte der eine Körper die Erinnerungen an den anderen aus. Nach einer kurzen Kaffeepause haben wir es gleich noch mal gemacht. Ich glaube, ich war noch nie so versessen darauf gefickt zu werden.
Als ich dann endlich zur Ruhe kam und in Rafaels Armen lag, geborgen wie ein kleines Kind, hat er mich gefragt, ob ich nicht mit ihm kommen wolle. Er hat mir von Peru erzählt, vom Meer und davon dass er dort sofort einen Job als Ingenieur bekommen könnte.
„Und was wird aus der Revolution?“, habe ich ihn gefragt.
„Ich denke, die ist vorüber, wenn wir ganz ehrlich sind. Oder?“ Da habe ich genickt und mich gefreut, dass er das auch endlich einsieht. Ob sein Sinneswandel nun mit dem Tod von Peters zu tun hat oder einfach nur so kam, ist mir herzlich egal.
Ich lag einfach nur da und habe vom Pazifik geträumt. Der stille Ozean. Das klingt für mich fast wie eine religiöse Verheißung. Irgendetwas Buddhistisches. Tatsächlich wurde alles still in mir. Zwei nackte Körper in einem Bett und der Horizont steht offen.
„Ja“, habe gesagt und war selbst ganz überrascht. „Ich komme mit. Egal, wohin du willst.“
„Hör mal zu, Trip“, höre ich mich anfangen.
„Ja, mein Schatz“, strahlt es mir entgegen.
„Ich glaube, dass du dir über deine Klamotten für morgen keine Gedanken machen brauchst.“
„Wieso?“
„Wie du wahrscheinlich gleich keine Lust mehr haben wirst, mit mir da hinzugehen. Es ist nämlich so, dass Paolo, nein, Rafael, so heißt dieser schöne Mann nämlich wirklich, und ich zusammen nach Peru ziehen werden.“ Pause. Man kann Trip förmlich dabei zusehen, wie diese neuen Informationen langsam in sein Hirn einsickern.
„Öh, aha“, bringt er hervor. „Das ist jetzt kein Scherz oder?“
„Nimm es wie ein guter Verlierer“, schlägt Rafael vor. Er leckt sich die fettigen Finger ab und nimmt sich ein weiteres Stück von Carmens Teller.
Trip weiß nicht so recht, was er denken soll. Sauer ist er, klar, aber er hatte ja auch schon geahnt, dass sie Sache zeitlich begrenzt war und, wenn er ehrlich ist, hat ja nicht nur Carmen ihn betrogen. Trotzdem bohrt ein Schmerz in ihm.
„Komm schon. Wir hatten doch eine ziemlich schöne Zeit zusammen“, sagt Carmen. Er gibt sich einen Ruck.
„Also gut. Wie geht’s jetzt weiter?“
„Wir schlafen noch zwei Nächte bei dir, dann bist du uns für immer los.“
„Klingt gut. Einverstanden. Wollen wir noch einen Wein bestellen?“ Schon winkt er wieder nach Ricci. Der versteht und füllt eine weitere Karaffe.
„Übrigens, wo wir schon dabei sind“, sagt Trip, „als du weg warst, habe ich mit meiner Chefin geschlafen.“
Carmen lacht laut auf: „Das ist ja wunderbar. Gratuliere!“

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