Trips Welt (44)

Ich habe das starke Gefühl, dass mir die Geschichte entgleitet. Das ganze Lügengebäude, das ich für Trip aufgebaut habe, wackelt an allen Ecken und Enden, Peters ist futsch und ich muss Rafael irgendwie aus dem Land bekommen. Dazu noch die Bullen.
Trip ist wie ausgewechselt. Statt vor Glück total durchzudrehen, weil ich wieder da bin, wirkt er eher reserviert. Es war ein Fehler, ihn in die Sache zu sehr hineinzuziehen. Aber wer konnte schon ahnen, was mit dem Doktor passieren würde? Kein Mensch.
Fakt ist nur, dass ich das alles ausbaden muss. Rafael wird mir dabei keine große Hilfe sein. Seine Nerven flattern ja jetzt schon, nur weil er von diesem Polizeibesuch bei Trip gehört hat. Er will unbedingt und sofort weg.
Ich versuche ihn zu beruhigen, während Trip auf dem Klo ist: „Wir können nicht einfach verschwinden. Trip ist sowieso schon misstrauisch. Stell dir mal vor, der packt bei den Bullen aus, weil wir ihm verdächtig vorkommen.“
„Wenn wir wenigstens das Ticket hätten“, sagt er.
„Tja, da werden wir uns wohl etwas anderes überlegen müssen oder willst du bei Peters einbrechen und es holen?“
„Scheiße!“
„Ja, ziemlich. Wir müssen nachdenken. Aber bis uns etwas einfällt, spielen wir schön brav unsere Rollen. O.k.? Ich habe Trip übrigens erzählt, dass ich dir unerlaubt Tabletten gegen Schizophrenie besorgt habe. Das ist ab jetzt dein Part.“
„Ich soll einen Verrückten spielen?“
„Das dürfte dir ja nicht allzu schwer fallen“, scherze ich noch, als Trip zurück ins Wohnzimmer kommt.
„Hast du noch was zu trinken im Haus? Auf den Schock kann ich heute gut einen kleinen Rausch gebrauchen“, frage ich.
„Klar“, sagt er, macht kehrt und verschwindet in die Küche.
„Was macht ein Schizophrener denn so?“, will Rafael wissen.
„Ich habe nicht den leisesten Schimmer. Improvisiere einfach.“
Trip steckt den Kopf zur Tür herein: „Wein oder Bier?“
„Hast du nicht was Härteres?“
„Aquavit.“
„Das klingt doch gut und ein Bier bitte.“

Überraschenderweise wird der Abend sogar noch ganz lustig. Trip legt ein paar spanische CDs ein und Rafael fängt irgendwann an lauthals mitzusingen. Ich habe den Eindruck, dass die beiden sich näher kommen. Das kann nur gut sein.
Meinen Schnaps schütte ich, soweit das unbemerkt geht, in das Wachtumsgranulat in dem pflanzenlosen Blumentopf neben dem Sofa. Die Jungs sind bald restlos besoffen. Langsam kann ich mich entspannen.
Schwierig ist nur noch der Moment, in dem Trip mit mir im Schlafzimmer verschwinden will. Klar, er ist sexuell wahrscheinlich genauso ausgehungert wie damals, als wir uns kennen gelernt haben.
Rafael umreißt die Situation und schaut mich bitterböse an. Eifersucht glüht zornig in seinen Augen. Ich zucke mit der Schulter und werfe ihm hinter Trips Rücken einen Gutenachtkuss zu. Er beherrscht sich gerade noch.
Trip ist auf einmal wieder der Alte. „Mann, bin ich froh, dich wieder hier zu haben“, sagt er, als wir im Bett liegen. Ungeschickt fummelt er an meinen Titten herum, zieht an den Brustwarzen und haucht mir seinen Aquavitatem ins Gesicht. Ich tue so als wäre ich total spitz und keine zwei Minuten später liegt er auf mir. „Gleich kann ich schlafen“, versuche ich mir einzureden.

 

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