Trips Welt (42)

„Entschuldige uns mal eben, Paolo“, sagt sie zu ihrem Begleiter gewand. „Er möchte mir etwas wahnsinnig Geheimes mitteilen. Das darfst du leider nicht hören.“ Sie lacht ironisch, steht auf und folgt Trip in die Küche. Sorgfältig schließt der hinter ihr die dünne Tür zum Flur.
„Setz dich!“, fordert er sie bestimmt auf.
„Boah, das ist ja die pure Wiedersehensfreude bei dir. Das muss ich schon sagen. Genau so einen Empfang hatte ich mir die ganze Zeit über gewünscht. Traumhaft.“
„Und sei still“, fährt Trip ungerührt fort. „Ich habe ein paar Fragen und einiges an Neuigkeiten für dich.“
„Das klingt ja spannend. Leg los, mein Süßer.“
„Erste Frage: Bist du eine Terroristin?“ Er spricht es aus und im selben Moment kommt er sich so unwahrscheinlich dämlich vor. Sie lächelt ihn naiv an. Völliges Unverständnis steht ihr ins hübsche Gesicht geschrieben, ein einziges Wie-kannst-du-mich-so-etwas-fragen. Kopfschüttelnd antwortet sie:
„Nein, natürlich nicht. Wie kommst du denn auf so was?“
„O.k., zweite Frage: Was hast du mit Peters zu tun?“
„Er ist mein Arzt.“
„Warum kannst du ihn dann nicht persönlich anrufen, wenn du etwas von ihm willst?“
„Nun ja, das ist etwas verzwickt. Ich erkläre es dir. Peters ist ein Studienkollege meiner Mutter. Göttingen, wahrscheinlich lief damals was mit den beiden. Und er ist ziemlich paranoid, hat ja den ganzen Tag mit Irren zu tun, da bleibt am Ende eben doch was hängen. Stell dir mal vor, du müsstest dir fließbandmäßig diesen Wahnsinn reinziehen. So weit, so gut. Das Problem ist, dass er mir unter der Hand Medikamente verschreibt, seltenen Scheiß, verstehst du? Damit helfe ich wiederum Leuten, die in Deutschland leben, aber keine Krankenversicherung haben. Rein humanitär. Du glaubst ja nicht, wie viele von denen heftige psychische Probleme haben.“

„Und?“
„Und was?“
„Und warum hast du darüber nicht mit Peters persönlich reden können?“
„Na, weil der Typ unter Verfolgungswahn leidet. Darum. Der glaubt, sein Telefon wird abgehört und solche Sachen.“
Trip muss sich kurz sammeln, das Gehörte verarbeiten. Er geht die drei Schritte bis zum Fenster und wieder zurück.
„Lass mich raten. Paolo ist auch einer eurer Patienten.“
„Genau.“
„Was hat er denn?“
„Er ist schizo.“
„Na, prima! Und der soll hier bei mir wohnen, ja? Habe ich das richtig verstanden?“
„Ach, daher weht der Wind. Darum, bist du so sauer. Du willst deine Ruhe. Stimmts? In Ordnung, dann gehen wir eben wieder.“
„Nein, nein, bitte, bleibt hier. Aber man wird doch mal fragen dürfen.“
Jetzt lächelt Carmen wieder. Sie steht auf und streichelt ihm über die Wange.
Sanft sagt sie: „Klar darfst du fragen. War ja auch nicht ganz einfach für dich, hm?“
Kurz schließt er die Augen und lässt sich ihre Zärtlichkeit gefallen. Ein klein wenig Vertrauen ist zurückgekehrt.
„Du hast noch eine Neuigkeit für mich. Was ist denn los? Bist du schwanger?“, scherzt Carmen.

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