Trips Welt (41)

Sie löst sich langsam von ihm.
„Ich muss dann mal weiter machen. Carlo kommt alleine nicht zurecht“, entschuldigt sie sich.
„Schon klar. Kein Problem. Hast du heute Abend vielleicht Zeit?“, fragt er und hofft, dass er und Britta noch mal ein paar lauschige Stunden zusammen verbringen können.
Sie schüttelt den Kopf.
„Susi will mit mir heute ins Kino gehen.“
„Ach so. Na denn, tschüß.“
„Ja, tschüß und … „
„Ja?“
„Schön, dass du hier warst.“

Er lässt sich durch die Straßen treiben. In den Fußgängerzonen hängt schon die festliche Beleuchtung. Die Geschäfte gehen gut. Überall laufen Menschen mit prall gefüllten Einkaufstüten umher. Er fühlt sich fremd.
Auf dem Rathausplatz ist ein Markt aufgebaut. An einem der Stände holt er sich eine Tasse Glühwein. Mit beiden Händen umfasst er das warme Gefäß und bläst auf die dampfende Flüssigkeit. Wie im Zeitraffer hasten die anderen Besucher an ihm vorüber. Er trinkt eilig.

Gegen halb Vier wird es dämmrig. Trip ist wieder zurück in seinem Viertel. Der Schneefall ist zu einem feinen Nebel aus Sprühregen geworden, den seine Kleidung begierig aufsaugt. Es fröstelt ihn.
Froh zu Hause angekommen zu sein, streift er die klammen Klamotten ab und zieht sich eine Jogginghose und seinen lila Kapuzenpulli an. Die Trockenheit des Stoffs vermittelt ihm kurz ein behagliches Gefühl von behüteter, bürgerlicher Kindheit. Dann klingelt es an der Tür.

Durch den Spion lugt er nach draußen. Optisch verzerrt kann er Carmen erkennen. Neben steht ein Mann mit gut gebräunter Hautfarbe und schwarzen Haaren. Er öffnet den beiden.
Carmen stürzt auf ihn zu und umarmt ihn innig. Ihr Geruch trifft ihn wie ein Schlag. Sofort weiß er wieder, warum er ihr so spontan verfallen konnte.
„Mein Süßer!“, ruft sie und drückt ihn noch fester. Er schaut über ihre Schulter zu dem Fremden, der noch immer auf der Fußmatte vor seiner Wohnung steht und einen ziemlich mürrischen Gesichtsausdruck zeigt.
Endlich macht sich Carmen wieder los.
„Da sind wir“, sagt sie.
„Prima“, sagt Trip. „Kommt doch erst mal rein.“
Er tritt zu Seite und lässt seine Gäste vorbei. Im Wohnzimmer macht er eine Geste zum Sofa. Die beiden lassen sich, nachdem sie ihre Rucksäcke in die Ecke geschmissen und sich ihrer feuchten Jacken entledigt haben, auf die Polster fallen.
„Ah, das tut gut“, meint Carmen. „Wir sind schon so lange auf den Beinen. Das ist übrigens Paolo, von dem ich dir schon erzählt habe.“
Trip nickt dem Mann auf seinem Sofa zu. Der nickt knapp zurück.
„Kann ich euch was zu trinken anbieten? Bier, Wasser, Wein?“
Sie einigen sich auf Wein und Trip geht in die Küche. Mit einer Flasche Rioja und drei Gläsern kommt er zurück.
„Wo kommt ihr denn her?“, will er wissen.
Carmen und der Fremde sehen sich an.
„Aus Sachsen“, antwortet sie. „Paolo wollte die deutsche Weihnachtskultur kennen lernen.“
Ein paar Minuten unterhalten sie sich über Brauchtum und Traditionen, dann ebbt das Gespräch ab und sie halten sich etwas verkrampft an ihren Weingläsern fest, bis Carmen Trip fragt, wie es denn bei ihm läuft.
Spontan und wenn sie allein wären, würde er ihr wohl von Peters erzählen und später dann auch von Britta. So aber berichtet er nur etwas zu ausführlich von seinem Job im Cafe. Paolo gähnt. Trip unterbricht sich.
„Carmen, können wir uns vielleicht irgendwo alleine unterhalten?“

 

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