Trips Welt (35)

„Scheiße“, sagt Britta scharf. „Verdammt! Ich hätte es echt ahnen können, dass Mario noch mal Stress macht. Aber das gestern hat dem Fass den Boden ausgeschlagen.“
„Was war denn?“, will Trip wissen. Er trocknet sich die Hände ab und schaut seine Chefin und einzigen One-Night-Stand seines Lebens interessiert an.
„Ach, dieser Scheißtyp ist gestern vor dem Alten Tanzcafe aufgetaucht. Ich stand mit einem Kerl, den ich gut fand, draußen. Wir haben in aller Ruhe eine geraucht. Er hat mir gerade von seinem Job als Psychologe oder so erzählt, da platzt Mario dazwischen, super besoffen, konnte sich gerade noch aufrecht halten und macht meine Flamme an.“
Beim Stichwort Psychologe schrillen bei Trip alle Alarmglocken, aber Britta erzählt weiter.
„Was er für ein Wichser wäre. Er hätte ja schon Schwielen an den Händen. So Zeug eben. Thomas hat sich das alles in Ruhe angehört und als Mario am Luftholen war, hat er ihm eine gelangt, die nicht von schlechten Eltern war.“
„Krass“, wirft Trip ein.
„Na, warte mal ab! Mario, irgendwie wieder nüchtern geworden, schnellt hoch und rammt Thomas seine beiden Fäuste in den Bauch. Der ist zusammengeklappt wie ein Gartenstuhl, obwohl er ziemlich sportlich gebaut ist. Und schon hat ihm Mario sein Kinn gegen das Kinn gekickt. Meine weiße Jacke kann ich jetzt wegwerfen. Soviel Blut ist da drauf gespritzt.“
„Krass“, wiederholt Trip.
„Voll krass“, bestätigt Britta. „Dann ist endlich der Türsteher rübergekommen und hat die beiden auseinandergehalten. Ich bin nur noch weg und habe mir ein Taxi gewunken. So eine Scheiße, Mann! Der Fahrer hat mich angeschaut, als wäre ich gerade einem Selbstmordanschlag entkommen oder so was. Der hat sich nicht mal getraut zu fragen. War wahrscheinlich heilfroh, als er mich wieder los war.“
„Wahrscheinlich.“
„Aber weißt du, was noch seltsam war?“
„Nö.“
„Thomas kam mir gleich so bekannt vor und als wir ins Gespräch kamen, hat er mich nach meinem Laden gefragt. Wie es läuft, ob ich mit den Geschäften zufrieden bin, so Sachen. Und gleich drauf wollte er wissen, wie es mit meinem Personal steht. Ich musste lachen und meinte, dass Personal ja etwas zu viel gesagt wäre. Dann habe ich ihm aber von dir erzählt und wie gut das mit uns beiden funktioniert.“
Trip meint ein doppeldeutiges Schmunzeln auf Brittas Gesicht erkennen zu können.
„Da ist er ganz ernst geworden, hat verschwörerisch getan und gesagt, man wisse ja oft nicht, wer das in Wirklichkeit ist, der bei einem arbeitet. Keine Ahnung, was er damit meinte. Mehr wollte er dazu auch nicht sagen und hat sofort das Thema gewechselt. Er wollte plötzlich unbedingt mit mir tanzen.“
Sie schaut ihn neugierig an. Er soll etwas dazu sagen.
„Äh“, macht er. „Keinen Plan. Wirklich nicht. Wir kennen uns doch schon ewig, Britta. Was soll ich da für Geheimnisse haben?“
„Woher soll ich das wissen?“
Er merkt, dass sie ihm nicht glaubt und legt nach: „Vielleicht war das ja der komische Typ, der schon ein paar Mal hier war. Weißt du, der mit dem Latte, der ihm nicht geschmeckt hat.“
Ihr Gesicht hellt sich auf.
„Ah, daher kenne ich den! – Was will der denn von dir?“
„Weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist der auf Carmen scharf und ich bin ihm in die Quere gekommen. Kann doch sein.“
Damit beendet er das Gespräch, wendet sich wieder dem Spülbecken zu und tut so, als würden die schaumigen Gläser seine ganze Aufmerksamkeit erfordern.
„Was soll das nur alles?“, denkt er mehrmals.

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