Trips Welt (31)

Sie bleiben noch ein paar Minuten so liegen. Trips schmaler Rücken wird gegen den kühlen Kachelboden gepresst. Britta lastet auf ihm. Es ist ein wenig wie am Lagerfeuer: vorne warm, hinten kalt. Als sich die Restromantik, die ihnen nach dem Akt noch geblieben war, verflüchtigt hat, macht er Anstalten, sich aufzurappeln. Sie gibt ihn frei. Etwas verschämt steht er nackt vor ihr. Am liebsten würde er sein Geschlecht mit den Händen bedecken, aber das wäre natürlich albern und so sucht er nach seinen verstreut herum liegenden Klamotten. Als er endlich alles gefunden hat und sich wieder Britta zuwendet, steht die schon fertig angezogen im Raum und lächelt ihn verschmitzt an. Er zwängt sich in seine Jeans und streift sein T-Shirt über. Was nun?
Sie fängt an zu sprechen: „Wow, du, das war als wären wir noch Teenager oder so, was? Echt geile Nummer.“ Sie setzt sich wieder vor ihr Glas Wein hin, schlägt die Beine übereinander, nimmt einen Schluck. „Ah.“
Er holt sich aus dem Kühlschrank Mineralwasser und trinkt aus der Flasche. Sein Durst ist auf einmal unstillbar. Er könnte literweise Wasser in sich hineinschütten. Ihr fällt seine Gier beim Trinken auf. „Da bist du ganz schön aus der Puste gekommen, was?“
Er nickt und setzt sich ihr gegenüber hin.
„Ich möchte dich nur um eins bitten, Trip. So schön das gerade war mit uns beiden, vergiss bitte nicht, was ich dir vorhin über meine Absichten gesagt habe: auf keinen Fall eine Beziehung. Das gilt auch für dich, mein Lieber.“
„Schon klar, Britta.“ Was soll er sonst auch sagen?

Unterwegs zu sich gönnt er sich bei Ricci eine Pizza Funghi. Etwas in ihm meint, dass er sich belohnen müsse und es stimmt, er ist regelrecht stolz auf sich. Während seine Pizza im metallenen Ofen liegt, spendiert ihm Ricci einen Ramazotti. „Du siehst so aus, als könntest du einen gebrauchen und ich brauche immer einen. Also! Salute!“
Sie exen ihren Schnaps und Trip schlägt sein Glas fast etwas übermütig zurück auf die Ablage vor ihm.
„Gracie“, lacht er. „Ja, der tut gut.“ Er kommt sich sehr männlich vor.
Der Ofen piept. Ricci holt seine Funghi heraus und schiebt sie in einen rot-weißen Pappkarton. „Na, dann Bon Appetito und einen schönen Abend noch!“
Trip wirft ihm die sechs Euro hin und im Hinausgehen ruft er: „Si, gracie, si!“

Bevor er es sich im Wohnzimmer bequem macht, geht Trip noch pinkeln und sich in der Küche ein Bier holen. Jetzt erweist es sich als nahezu brillant, dass er noch bei Aldi gewesen war. Der Kühlschrank ist ein einziges Miniaturschlaraffenland.
Dann endlich sitzt er mit der warmen Pizzaschachtel auf den Beinen und einem Bier vor sich auf dem Sofa und schaltet mit der Fernbedienung den Fernseher an. Niemand will etwas von ihm und er hat alles. So kann es weiter gehen.

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