Trips Welt (29)

Nach Feierabend lädt Britta Trip noch auf ein Glas Wein ein.
„Komm trink ein Glas mit mir. Das haben wir heute wieder mal super hingekriegt“, sagt sie mit Blick auf die zurückliegende Bewirtung des Väterstammtisches.
„Die wollen wieder kommen und das Trinkgeld war auch vom Feinsten.“
Mit großer Geste überreicht sie Trip zusätzlich zu seinem Lohn einen zehn Euro Schein. Er freut sich.
Sie rücken sich zwei Stühle an einen frisch geputzten Tisch. Britta holt eine Flasche vom guten Roten und füllt die Gläser bis knapp unter den Rand. Sie stoßen vorsichtig an.
„Auf die Zusammenarbeit“
„Und die Liebe und das Leben“, fügt sie hinzu. „Apropos Liebe. Was macht eigentlich deine?“
Er schluckt und wird verlegen. „Och, eigentlich ganz prima. Wir sehen uns nur so selten.“
„So, so“, meint sie. „Das klingt ja nicht gerade berauschend.“
„Ist es auch nicht“, gibt er mit einer Offenheit zu, die ihn selbst überrascht.
Britta schaut ihn vergnügt an.
„Ich für meinen Teil bin so froh, dass ich Mario endlich los bin. Was für ein Idiot! Ich werde nur noch das Leben genießen. Ab jetzt nehme ich alles mit. Gestern zum Beispiel war ich noch tanzen. Du errätst nicht wo.“
„Keine Ahnung“.
„Im Sur“, klärt sie ihn stolz auf.
„Sagt mir nichts. Was ist denn das für ein Laden?“
„Ein guter Laden, um ein bisschen Trost zu finden und Salsa zu tanzen. Am Ende habe ich sogar einen Netten kennen gelernt. Anthony.“
Brittas Hang zu exotischen Typen ist fast schon legendär. Die Namen ihrer Ex-Lover sprechen Bände. Vor Mario gab es einen Sam. Der davor hieß, Trip muss überlegen, Akin oder so ähnlich.
„Das ist doch prima!“, meint er und lächelt. „Ich wünsche euch jedenfalls alles Gute.“
„Naja, noch läuft da ja nichts. Mal abwarten. Ich weiß nur, dass ich keine Lust mehr auf was Festes habe. Ein bisschen Romantik – klar, aber auf keinen Fall eine Beziehung.“
„Romantik, ja, das ist schön“, murmelt er. Dabei schaut er versonnen in die Ferne über Brittas linker Schulter. Sie zupft dort den Träger ihres BHs zurecht. Er fühlt sich plötzlich sehr einsam. Ein Loch tut sich in ihm auf. Der trockene Rote, der da hinein fließt, wärmt ihn zwar, aber es ist eine sauere Wärme, die ihn traurig macht.
„Was ist denn los?“, will Britta wissen.
„Na, das mit der Romantik“, antwortet er leise. „Die hat ja nicht nur ihre schönen Seiten. Die meiste Zeit war ich allein und es war in Ordnung so. Jetzt ist da jemand und auf einmal weiß ich nicht mehr, wohin mit mir. Ein schlechter Tausch, oder?“
Sie trinken einen Schluck. Britta schaut ihm tief und etwas zu lange in die Augen. Trips Herz hüpft. Da ist wieder der Drang, sich in ihre Wärme zu flüchten.
„Man darf das, glaube ich, alles nicht so ernst sehen“, rät sie ihm. Dann legt sich ihre Hand tröstend auf seine. Sie fühlt sich trocken an und ruhig.
„Ich wünschte mir, ich könnte das auch so sehen“, sagt er, damit er etwas sagt. Sie zieht ihre Hand zurück.
„Ich bin wirklich sehr froh, dass du hier bist und mir hilfst“, meint sie. „Ohne dich würde ich das im Moment gar nicht schaffen.“
„Danke, Britta, das ist lieb.“ Er trinkt sein Glas leer. Der Wein steigt ihm zu Kopf.

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