Trips Welt (25)

Er schläft vor der Glotze ein, nur um mitten in der Nacht mit höllischen Rückenschmerzen aufzuwachen. Er quält seinen krummen Körper hoch. „Scheiß Sofa“, flucht er und schleppt sich ins Bett. Besser.
Er denkt an Timm und Renate. Wie glücklich die beiden wirken! Er ist sich ziemlich sicher, dass die Geschichte mit den beiden länger geht. Irgendwie passt das.
Eine starke Sehnsucht kommt in ihm auf. Nicht unbedingt nach Carmen. Es ist eher der Wunsch nach der einen Frau, nach einer dauerhaften Beziehung mit dieser Frau. Er schließt die Augen. Britta, Carmen, Susi vermischen sich. Dazu kommt nach kurzem Nachdenken noch die süße Kleine von der Aldikasse. Alle zusammen: die Frau.
Trip nimmt sich vor gleich morgen früh mal wieder einkaufen zu gehen. Sein Kühlschrank ist schon zu lange leer.

An der Kasse sitzt nur die olle Fette, die meistens Heavy Metal T-Shirts unter ihrem Kittel trägt. Er ist enttäuscht. Vor ihm steht seine Nachbarin in der Schlange, zwei Weinbrandflaschen, eine in jeder Hand. Sie tut ihm leid. „Tachchen“, sagt er und tippt ihr auf die Schulter. Sie fährt herum und starrt ihn entsetzt an. Nach Ablauf der Schrecksekunde besinnt sie sich: „Ah, ja, hallo“. Schnell dreht sie sich wieder um und legt, weil die jetzt dran ist, ihre Flaschen aufs Band. Sie zittert leicht. Auf der rechten Hand steht ein tätowiertes Love. Trip wundert sich, dass sie es überhaupt hierher in den Supermarkt schafft. Normalerweise kauft sie ihren Hart-Alk durchs offene Fenster am Kiosk. Vielleicht ist ihr das zu teuer geworden, überlegt er, oder sie hat heute einen guten Tag. Dann schmeißt auch er seine Besorgungen vom Wagen auf das schwarze Band.
Als er gerade aus dem Laden will, kommt ihm die schöne, junge Kassiererin entgegen. Sie schaut kurz zu ihm hoch. Er lächelt und nickt. Sie nickt auch.
Schnell trägt er das Gekaufte nach Hause, füllt eilig den Kühlschrank und springt, als wäre er zehn, durch das Treppenhaus zurück auf die Straße. Die Luft ist herrlich und er atmet tief ein.
Die Tür zum Linksaußen steht offen. Britta steht vor dem Cafe und spricht in ihr Handy. Sie lacht und gurrt. Ganz losgelöst wirkt sie dabei. Trip kommt näher. Sie spricht Englisch. Klingt ziemlich fließend, denkt er.
Sie sieht ihn und winkt. Er hebt auch die Hand zur Begrüßung. „Oh, really?“, „Oh, Jesus“ und „Oh, no“, sagt Britta. Ihr roter Lippenstiftmund formt das Oh mit lustvoller Heftigkeit. Als würde mit ihr gerade ein Werbespot gedreht.
Er versteht gleich, dass Britta da mit einem Mann redet und dass sie diesen Mann wahrscheinlich sehr mag. Sonst würde sie sich ja nicht so ins Zeug legen. Eine gute Freundin aus Amerika hält er für unwahrscheinlich. Da würde sie nicht so aufdrehen. Er ist ein bisschen enttäuscht, wünscht sich die traurige, ungeschminkte Britta zurück. Bei fröhlichen Frauen rechnet er sich wenig Chancen aus. Außer vielleicht sie sind so wie Carmen. Die hat sich ja mächtig an ihn rangeschmissen. Da gab es nicht viel Vertun. Er schmunzelt bei der Erinnerung an ihr Aufeinandertreffen im Waschsalon. „Das war schon cool“, findet er. Dummerweise muss er aber gleich drauf daran denken, dass Carmen nicht allein zu ihm zurück kommt und für immer bleibt, sondern dass sie noch diesen Paolo-Typen mitschleift. Seine Stimmung verliert schnell an Höhe.
Britta kommt lächelnd herein. Sie steckt das Handy in ihre Schürze. „So“, sagt sie, „dann wollen wir mal.“ Dazu klatscht sie motiviert in die Hände. „Heute trifft sich hier ein Väterverein. Zehn Leute. Die wollen belegte Schnittchen. Willst du oder soll ich?“
„Mach ich gern“, sagt Trip und wendet sich der Küche zu. „Guten Morgen, übrigens.“
„Ja, guten Morgen auch“, flötet Britta.

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