Trips Welt (24)

Hinterher wundert er sich, warum der Arzt diesmal so umgänglich war. Selbst die für ihn wahrscheinlich eher unschöne Nachricht von der verzögerten Ankunft Carmens hat er gelassen hingenommen. Keine herabsetzenden Bemerkungen, keine Beleidigungen. Aber was soll er sich unnötig den Kopf zerbrechen? Er hat seinen Job erledigt und kann sich dem hinwenden, was ihn heute wirklich interessiert.
Am Kiosk in seiner Straße kauft er zwei Sixpacks und einen halben Liter von dem harten Zeug. Das schleppt er nach Hause und wartet mit einem kühlen Bier in der Hand auf Timm und Renate.
Die tauchen auch bald auf. Timm hat eine Einkauftüte mit noch mehr Bierflaschen dabei. Sie wandern in den Kühlschrank.
„Weißt du, was das Gute daran ist, so früh am Tag mit dem Trinken anzufangen?“ fragt Trip in die Runde. Belustigtes Kopfschütteln.
„Man ist früher damit fertig und ist morgens wieder fit.“
„Darauf stoßen wir an“, sagt Renate und Glas schlägt auf Glas. Die Stimmung ist gut. Trip legt alte Kassetten ein, den Soundtrack einer längst vergangenen Jugend.
„Meine Güte!“, meint Timm. „Die haben wir damals in Amsterdam gehört. Abends im Zelt, zusammen mit diesen Freaks aus den Staaten. Mann, waren wir da alle breit. Ich habe mich wie im Himmel gefühlt.“
„Den Amis hat das auch gefallen. Wir haben an dem Abend doch sogar Adressen getauscht, wollten unbedingt in Kontakt bleiben. Aber am nächsten Tag ist uns die Filterpappe ausgegangen und wir hatten keinen Bock rauszugehen, um neue zu besorgen. Da mussten die Adressen leider dran glauben.“
Renate lacht und schlingt einen Arm um Timm. Der setzt noch einen drauf: „Und dieser Held hier war sogar so faul, dass er es nicht mehr bis zum Klo geschafft hat. Lauter voll gepisste Fantaflaschen standen im Vorzelt. Echt ekelhaft.“ Renate lacht noch mal.

Als sie später schon gut knülle sind, erörtern sie die wesentlichen Inhalte. Timms und Renates Thema ist natürlich die Liebe. Beide strahlen vor Glück und Alkohol. Trip erfährt, dass die zwei schon die ganzen Jahre über scharf aufeinander waren, es sich aber eben nie etwas ergeben hatte. Vor ein paar Tagen dann standen sie nachts vor dem Halunkeneck und wollten beide so sehr nicht allein sein, dass sie erst zur 24-Stunden-Tanke und dann zu Timm nach Hause gegangen sind.
„Freut mich für euch. Wirklich“, gibt Trip seinen Segen. Er ist sich nicht mehr so sicher, ob die Liebe etwas für ihn ist. Dieses Hin und Her mit Carmen und Peters hat seine Illusionen ausgelaugt und ohne die bleibt nicht mehr viel.
„Jetzt im Moment“, sagt er, „kann ich mich eigentlich nur für ein kühles Bier und Sex begeistern. Genauer gesagt, ein kühles Bier und die Erinnerung an Sex.“ Kaum hat er das ausgesprochen, kommt ihm seine Existenz ganz schön beschränkt vor.
„Du hast doch noch den Job bei Britta“, merkt Timm wohlmeinend an.
„Ja, o.k., der Job. Das ist auch nicht übel. Prost!“ Wieder klirren die Flaschen.
Sie trinken noch ein, zwei Stunden gemeinsam weiter. Dann wird das frisch verliebte Pärchen unruhig. Trip bringt die zwei runter. Das Bier ist alle und er will allein keinen Schnaps mehr trinken. Also noch mal zum Kiosk.
„Was ich an Deutschland wirklich mag, ist, dass man rund um die Uhr Stoff bekommt“, meint er.
„Und das zu korrekten Preisen“, merkt Timm noch an.
Sie umarmen sich.
„Kopf hoch“, gibt ihm Renate mit auf den Weg. „Das wird schon.“

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