Trips Welt (19)

Auf den Bürgersteigen kehren vier, fünf Orange gekleidete Männer das erste herbstliche Laub und Zigarettenkippen von den Gehwegplatten auf die Fahrbahn. Trip ist erstaunt mit welch energischem Einsatz sie das tun. Es ist sowieso ein Wunder, dass es Menschen gibt, die ihm das alles abnehmen. Wo kommen diese Menschen her? Was treibt sie an? Er geht mit dem Gefühl sich bei ihnen bedanken zu müssen gesenkten Kopfs zwischen ihnen hindurch. Auf der Straße fährt im Schritttempo ein Kehrfahrzeug. Es nimmt begleitet von unangenehmem Lärm den Schmutz der Stadt in sich auf.
Trip steckt seine Hände in die Manteltaschen. Langsam merkt man doch, dass es kühler wird. Seine rechte Hand berührt den Brief, den er vor ein paar Tagen eingesteckt hat. Das Papier ist vom vielen Herausnehmen, Anfassen, Lesen schon ganz weich. Carmen kommt. Er ist sich nicht sicher, wie er auf den Tod ihrer Mutter reagieren soll, wenn sie erst einmal vor ihm steht. Sie kann jetzt jederzeit auftauchen, die Beerdigung wird mittlerweile stattgefunden haben, und er möchte dann keinen allzu schlimmen Blödsinn von sich geben. Nur recht einfallen will ihm auch nichts. Das Beste wird sein, abzuwarten und die sie auf sich zukommen zu lassen.
Britta sperrt ihm die Tür auf. Der nächste Arbeitstag beginnt und er wirft sich hinein. Die anfängliche Begeisterung ist zwar gewichen, aber trotzdem mag er seinen Job noch. Er kommt gern hierher. Zumal sich Brittas Stimmung wieder aufgehellt hat und ihre launige Heiterkeit zurückgekehrt ist. Sie sind ein prima Team, findet er, und auch sie scheint mit ihm zufrieden zu sein. Besonders freut ihn, dass er von den Gästen des Cafes inzwischen als fester Bestandteil der Belegschaft akzeptiert wird. Sogar Trinkgeld bekommt er häufiger. Zusammen mit der Kohle vom Amt und dem Lohn, den Britta ihm zahlt, kann er sich nicht beschweren.
Sobald er ins Innere getreten ist, fängt es draußen plötzlich an wie aus Eimern zu schütten. Er denkt an die Männer von der Stadtreinigung.
Gemütlich wirkt das Linksaußen. Im gelben Licht der Lampen stehen die Tische im Raum und warten auf Gäste. Bei diesem Wetter werden erstmal nicht viele kommen, denkt er sich und beginnt in aller Ruhe mit den gewohnten Handgriffen, belegt Brötchen, kocht ein Chili, stellt den Kuchen vom Bäcker in die Auslage und füllt die Kühlschränke mit Getränken.
Britta riecht heute nach einem neuen Parfum. Außerdem hat sie sich die Lippen intensiv rot geschminkt. Er sieht jedes Mal auf, wenn sie vor ihm vorbeigeht.
„Ist eigentlich mit Susi wieder alles klar?“, will er irgendwann wissen.
„Ach, ja“, seufzt sie. Mehr will sie ihm anscheinend dazu nicht sagen und ihm ist es so auch ganz recht. Immer noch schlägt der schwere Regen gegen die große Fensterscheibe. Die Geräusche drinnen klingen wie gefiltert.
Die Tür geht auf. Trip schaut neugierig nach dem ersten Gast. Es ist Peters. Schnell verkriecht er sich in die Küche und bittet Britta den Service zu übernehmen: „Das ist der Typ von meinem ersten Tag hier. Du weißt schon, der mit dem Latte, der ihm nicht geschmeckt hat.“ Sie geht in den Gastraum, kommt aber gleich wieder zurück. „Er besteht darauf, von dir bedient zu werden“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Trip schaut sie fragend und etwas hilflos an.

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