Trips Welt (17)

Mein Kopf liegt auf Rafaels nacktem Bauch. Ich spiele mit seinem schönen, schlaffen Schwanz herum. „Was willst du eigentlich noch in Peru? Die Show ist doch längst vorbei. Selbst Ignacio scheint sich seiner Sache nicht mehr so sicher zu sein und die restlichen Genossen drüben lachen sich wahrscheinlich schlapp über uns. Oder was meinst du?“, frage ich ihn.
„Wir haben das langfristig geplant und ziehen wir das auch durch“, gibt er sich unerschütterlich.
„Aber mal ganz ehrlich: Was wollen die denn jetzt noch mit einem Spezialisten für ferngesteuerte Waffen? Meinst du, du kannst deinem Andendorf damit irgendwie helfen oder hast du ernsthaft vor, einen Anschlag durchzuziehen?“
„Das hat nur die Führung zu entscheiden“, blockt er ab.
„Dieses ganze Programm hat doch nie wirklich zu uns gepasst. Elitenbildung für die Revolution. Irgendwas passt da nicht“, argumentiere ich weiter, obwohl ich natürlich die Argumente, die zu dem Vorgehen der Garden geführt haben, kenne.

„Wir bleiben professionell. O.k.? Ich fahre wie geplant nach Peru zurück und dort wird dann entschieden. Basta!“. Er beendet damit die Diskussion.
Ich glaube ja nicht, dass sich irgendein Geheimdienst der Welt noch für uns interessiert. Aber bitte, bleiben wir professionell. In ein paar Monaten ist der Spuk sowieso vorüber.

Ich schreibe Trip einen Brief, liebevoll im Ton, schließlich können wir ihn ganz gut für die Endphase der Aktion gebrauchen. Es ist immer gut, Leute zu benutzen, die mit uns nichts zu tun haben, unverdächtige, ahnungslose Helfer.
In dem Brief kündige ich mein Kommen an und teile ihm mit, dass meine Mutter nach langem, Kräfte zehrenden Kampf gestern gestorben ist. Dabei drücke ich ordentlich auf die Tränendrüse.
Ich müsse mich um die Beerdigung kümmern, käme dann aber so schnell wie möglich zu ihm. Kaum würde ich die Wartezeit aushalten, bis ich endlich wieder in seinen Armen und so weiter. Sein Gesicht stelle ich mir dabei vor, wie er diese Zeilen liest. Er wird so aussehen, wie an dem Tag im Park, als wir, ganz romantisch verliebtes Pärchen, in der Sonne lagen und schwiegen. Damals hat er versucht, in meinen Augen zu lesen. Liebe hat er darin gesucht und Verständnis. Ich habe mir alle Mühe gegeben.

Manchmal zwickt mein Gewissen schon. Früher hatte ich ja die Ausrede, dass ich das alles nur für einen guten Zweck mache. Aber heute? Der Zweck ist mir abhanden gekommen, nur über die Mittel verfüge ich immer noch und setze sie routiniert ein. Das kann lästig sein wie im Fall von Trip oder auch ganz erfrischend wie mit Rafael. Ich werde meinen süßen Lover wohl, bei allen Kritikpunkten, ein paar Tage vermissen, wenn er fort ist. Er versteht sein Handwerk. Das muss man schon sagen.
Ich stecke den Brief in einen Umschlag und schreibe mit dem bonzigen Füller meines Vaters nur eine Adresse darauf. Auf den Absender verzichte ich selbstverständlich. Dann bediene ich mich aus dem Briefmarkenvorrat im Mahagonischreibtisch, an dem ich sitze. Angewidert schlecke ich die Gummierung feucht.

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