Trips Welt (14)

Am nächsten Morgen wacht er mit einem Ständer auf und onaniert. Dabei versucht er an Carmen zu denken. Seine Vorstellung vermischt sich mit den Bildern, die er sich beim Einschlafen von Susi ausgemalt hatte. Carmen in Pornoposen. Er hat einen müden Orgasmus, wischt sich ab und geht duschen. Heute nimmt er sich vor, die Sache mit Peters zu erledigen. Noch vor der Arbeit will er das hinter sich bringen. Er hofft, dass er von dem Doktor etwas mehr erfährt, worum es eigentlich geht und warum Carmen so geheimnisvoll getan hat. In der Praxis wird er ins Wartezimmer gebeten. Dort sitzt er auf einem quietschenden Stuhl mit Stahlrohrgestell. Außer ihm sind noch drei andere da. „Psychos“, denkt er. Die Atmosphäre ist nicht gerade dazu angetan, ihm ein gutes Gefühl zu vermitteln. Ihm gegenüber sitzt einer, der schwitzt wie ein Schwein und mit seinen unruhigen Beinen einem unregelmäßigen Rhythmus folgt. Dann bekommt der wieder seine Gliedmaßen in den Griff. Dafür stöhnt er dann leise vor sich hin und wischt sich über die nasse Stirn. „Hach“, macht er und „Um“. Trip steht auf und bedient sich am Wasserspender, um irgendetwas zu tun und sich damit von der Betrachtung der Kranken abzulenken. Drei Augenpaare folgen jeder seiner Bewegung. “Herr Meins?“. Endlich wird er aufgerufen. Er folgt der ältlichen Sprechstundenhilfe durch einen weißgetünchten Flur, an dessen Ende eine Tür liegt. „Behandlungszimmer 1“ steht da. Er klopft und tritt ein. Der große Mann hinter dem großen Schreibtisch schaut kurz hoch. Trip hat für den Bruchteil einer Sekunde einen Blackout. Das ist der Typ, der ihn letzthin im Cafe so angemacht hat, weil ihm sein Latte nicht geschmeckt hat. Er schaut noch mal genau hin. Ja, ganz sicher. Irrtum ausgeschlossen. „Was soll das?“, schießt es ihm noch durch den Kopf, da fängt Peters schon an zu reden: „Womit kann ich dienen? Sind sie zum ersten Mal hier? Wo drückt der Schuh?“ „Äh“, stammelt Trip. Auf dem Tisch steht eine riesige Tasse. Sie ist mit Früchtetee gefüllt. Er muss kurz an Schullandheime und Jugendherbergen denken. „Ja, bitte?“, hakt der Arzt nach. „Carmen schickt mich“, bringt Trip heraus. Der Typ scheint ihn nicht wiederzuerkennen oder er tut zumindest so. Seine Augenbrauen heben sich. „Was?“, bläfft er. „Was fällt der denn ein, sie hierher zu schicken? Ist die noch ganz dicht?“ „Fragen über Fragen“, denkt Trip. Peters steht auf, geht ans Fenster und schaut hinaus. Er ist wirklich sehr groß und hat einen kräftigen, sportlichen Rücken. „O.k., schießen sie los! Was will sie?“ fragt er. „Ich soll nur ausrichten, dass sie sich keine Sorgen machen sollen.“ Peters lacht höhnisch. “Und dass sie bald kommt und alles geregelt bekommt.“ Wieder lacht der Doktor spitz. Er schaut immer noch aus dem Fenster. „Das war es auch schon“, sagt Trip abschließend und hofft möglichst zügig entlassen zu werden. „Und warum gerade sie?“, will Peters aber noch wissen. „Was haben sie mit der Sache zu tun?“ „Keine Ahnung“, antwortet Trip wahrheitsgemäß. „Ich weiß ja nicht mal um welche Sache es sich überhaupt handelt.“ “Umso besser. Sagen sie Carmen, dass sie ihren hübschen Arsch schnell hierher bringen soll. Sagen sie ihr das!“, raunzt Peters, dreht sich endlich wieder um und schaut Trip streng an. Seine Augen funkeln und seine Stirn ist von einer tiefen Falte durchzogen. Trip ärgert sich, dass der Typ so über seine Freundin spricht, hat aber keinen Bock auf Stress und hält den Mund. Drei Minuten später steht er verwirrt auf dem Bürgersteig vor der Praxis. Er ist froh, zu Britta zu gehen: Arbeit, Normalität.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s