Trips Welt (10)

Am nächsten Morgen hat Trip einen höllischen Kater. Außerdem hat er viel zu viel Geld ausgegeben, weil er sich am Ende noch hat breitschlagen lassen, Schnäpse für Timm und die anderen Gäste auszugeben. „Der hat jetzt nen Job und Kohle“, hatte sein alter Kumpel herumposaunt. „Darauf trinken wir einen. Oder?“ Ein gutes Duzend erwartungsfroher Augen waren auf ihn gerichtet gewesen. Was sollte er da schon sagen?
Jedenfalls ist das schwerverdiente Geld jetzt weg und den angedachten Ausflug mit Carmen kann er sich erst mal an den Hut stecken. Er hofft nur, dass er weiter bei Britta arbeiten kann, um seine Kasse wieder aufzufüllen.
Es ist kurz vor Zwölf, als er das zweite Mal die Augen aufmacht. „Scheiß Gesaufe“, denkt er und seine Schläfen fangen an zu pochen. Er geht ins Bad und hält seinen Schädel unter kaltes Wasser, besser, putzt Zähne und sucht seine Sonnenbrille. So ausgerüstet wagt er sich auf die Straße. Seine Nachbarschaft und die Menschen, die sich darin bewegen, kommen ihm reichlich seltsam vor. Es ist, als ginge er auf Schaumstoff. Die Sonne plärrt zwischen den Häuser hervor. Ein Typ auf einem Mountainbike fährt ihm direkt in den Weg. Die beiden stoßen fast zusammen. Der Radfahrer ist von oben bis unten perfekt angezogen: Helm, Sportbrille, eines dieser lächerlich bunten Plastikhemdchen und so weiter. „Du Arschloch, kannst du nicht aufpassen?“, raunzt ihn der Kerl an. Trip hebt entschuldigend die Hände, obwohl er sich keiner Schuld bewusst ist, schließlich ist ihm doch der andere … „Solche Idioten wie dich lassen sie frei herum laufen. Du findest ja nicht mal deinen Schwanz zum Wichsen, so blind bist du.“ Und noch mal: „Arschloch!“ Dann ist er weg und Trip schaut ihn davonrollen. Er ist völlig entgeistert, weiß mit dieser Situation erst mal nichts anzufangen.
Britta empfängt ihn mit einer Tasse Kaffee, einer Aspirin und einem wissenden Lächeln.
„Hab schon alles gehört“, sagt sie. „Du hast also einen Job. Wo denn?“
Trip fasst sich an den Kopf und schaut sie entschuldigend an.
„Können wir schon drüber reden,“ meint Britta. „Warum nicht? Bloß hätte ich gern, dass du dann in Zukunft nüchterner zur Arbeit erscheinst.“
Trip nickt: „Klar. Ich bin gestern bloß mit Timm …“
„Weiß schon. Vergiss es. Also: Fünf Euro auf die Hand kann ich dir zahlen. Wie gehabt. O.k.?“ Er nickt wieder und versucht ein Lächeln, das zeigen soll, wie dankbar er ihr ist. „Jetzt trink erst mal in Ruhe deinen Kaffee und iss was und dann kannst du in die Küche zum Spülen.“
Er möchte sie am liebsten umarmen, kommt aber nicht so recht hoch und lässt es bleiben. Dafür sagt er einfach: „Dank dir. Echt!“
In der Küche wartet ein Stapel Geschirr auf ihn. Er räumt alles in den Spüler. Die Bewegung tut ihm gut. Langsam kommt er wieder in die Gänge. Er denkt an den letzten Abend und fragt sich, wozu er eigentlich solche Freunde braucht. Es gefällt ihm gar nicht, dass einer Britta alles erzählt hat. Vielleicht sollte er mal mit Timm darüber reden. Aber was soll der schon dazu sagen?
Den ganzen Nachmittag über bleibt er in der Küche, wischt, räumt auf. Es ist ihm recht, heute mit niemandem groß quatschen zu müssen. Am Ende blitzt alles und er ist mit sich und der Welt zufrieden. Im Kopf überschlägt er die Stunden, die er gearbeitet hat und rechnet seinen Lohn aus.
Britta kommt rein, schaut sich um, bekommt richtig große Augen und lobt ihn. Dann holt sie 25 Euro aus der Kasse und schickt ihn nach Hause. „Geh früh schlafen“, rät sie ihm.

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