Trips Welt (2)

„Bin gerade hergezogen“, informierte sie Trip ungefragt. „Carmen heiße ich. Carmen Kurz aus Kamen. Ich kam aus Kamen sozusagen.“
Sie ließ eine Pause, um ihm Gelegenheit zu geben zu lachen oder sonst wie zu reagieren. Trip kratzte sich am Kinn.
“Und was geht hier so?“, wollte sie dann wissen. „Du siehst so aus, als ob du dich hier auskennst. Schon länger in der Gegend?“
“Schon immer“, antwortete er knapp.
“So!“, sagte sie erstaunt. „Und was geht?“
“Keine Ahnung. Was soll schon gehen? Ich brauche den ganzen Trubel nicht.“
“Was für einen Trubel denn? Wer hat denn was von Trubel gesagt?“, drang sie weiter.
“Na, Weggehen und der ganze Stress. Kultur und so“, präzisierte er.
“Ach so!“. sie verschränkte ihre Finger und schaute Trip intensiv von der Seite her an. „Nettes Gesicht hast du“, sagte sie dann. „Hast du Lust, mir das Viertel zu zeigen?“
Er nickte nur kurz. „Ich bin im Linksaußen, wenn du mich suchst“, informierte er sie, räumte seine Maschine leer und brachte die Wäsche nach Hause. Anschließend beeilte er sich ins Cafe zu kommen, damit er Carmen nicht verpasste.

Trips Alltag ist von einer immer wiederkehrenden Abfolge von Lustreizen geprägt, kleinen Infusionen des Glücks gewissermaßen. Den ersten Schuss verabreicht er sich mit einer Tasse Kaffee. Das Vergnügen des ersten Schlucks Kaffee am Beginn eines neuen Tages wird nie verschwinden. Egal, in welchem Zustand er sich befindet, darauf ist Verlass. Allein die Vorfreude und die damit verbundenen Heilerwartungen verschaffen diesem Ritual seine einmalige Stellung im Tagesgeschehen.

Meist nimmt Trip die erste Tasse im Linksaußen zu sich. Die Straßen und Bürgersteige sind dann weitgehend leer. Es ist diese Zwischenzeit nach dem Berufsverkehr und vor dem Ansturm der Erziehungsgeldbezieher, Studenten und Einkäufer. Die Stadt holt noch einmal kurz Luft. Auch Trip sammelt sich in diesen Minuten, bereitet sich auf eine neue Runde vor. Der bittere Geschmack in seinem Mund hilft ihm dabei die Schatten der Nacht endlich vollständig hinter sich zu lassen. Gäbe es diesen Moment nicht, er könnte sich oft nicht motivieren aus dem Bett zu steigen. Trip nimmt den Sinn seines Lebens schlückchenweise zu sich.

Tatsächlich musste er nicht lange auf Carmen warten. Mit einem lauten „Das ist ja ein netter Laden“ stürmte sie herein. Trip schaute sich betreten um. Ihm war es nicht recht, Aufmerksamkeit zu erregen und Carmens Verhalten tat genau das. Alle glotzen zu ihnen herüber. Besonders Britta musterte Trips unbekannte Bekannte mit regem Interesse. Er bemerkte, wie sie nach dieser eingehenden Begutachtung  eine Augenbraue hochzog und sich wieder dem Aufschäumen von Milch zuwand. Er fragte sich, ob dieser mimische Wink Brittas überraschte Zustimmung oder böse Vorahnung bedeuten sollte.

Carmen setzte sich und während sie sich dafür nach vorne beugte und mit ihrem Hintern die Sitzfläche des Stuhls suchte, konnte er über den herabhängenden Rand ihres T-Shirts einen kurzen Blick auf ihre Brüste werfen. „Yeah“, dachte er. Sein erster Eindruck hatte ihn nicht getäuscht.

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