Der kleine Morth (lxxxv)

Es war jetzt schon über eine Woche her, dass Sue und Morth gebumst hatten. Trotzdem war Sue überhaupt nicht bei der Sache. Ihre Gedanken schienen einfach nicht aufhören zu wollen. Lustlos ließ sie sich ficken. Morth machte, obwohl er ihre Abwesenheit bemerkte, trotzdem weiter. Es war ihm währenddessen egal und hinterher sagte er auch nichts dazu, ging ins Bad und duschte.
Als er zurück kam, hatte sich Sue ihren Slip und das Hemdchen angezogen. Morth legte sich neben sie, ohne sie zu berühren.
“Ich werde umziehen,“ sagte er unvermittelt. „An den Stadtrand. Ich habe schon gekündigt und in zwei Wochen geht’s los. Ich halte es hier nicht mehr aus. Willst Du vielleicht meine Wohnung?“
Sue drehte sich auf die Seite und schaute ihn an. „Fein, dann verrate mir doch mal, wie ich mir diese Bude leisten soll.“ Sie war deutlich genervt und konnte sich gerade noch zurückhalten, ihm Vorhaltungen zu machen, weil er nicht früher mit ihr über seine Umzugspläne gesprochen hatte. Vielleicht hatte er auch darüber gesprochen. Sie wusste es nicht mehr. „An den Stadtrand also. Und wann zeigst du mir dein neues Reich?“
“Naja, wenn es soweit ist eben. Ich habe ja noch keine Schlüssel. Die gibt es erst zum nächsten Ersten. Aber mit dem Vermieter ist schon alles gefixt,“ meinte Morth und ihm wurde klar, dass er sich gerade jetzt in diesem Moment nicht vorstellen konnte, seinen Umzug mit Sue zu machen. Der Schlussstrich war noch nicht bis zum Ende durchgezogen. Das stand noch aus. Er sah sie traurig an. Sie stand auf und ging ebenfalls duschen.

In der Nacht dann hatte Morth einen Traum. Er träumte viel zu Zeit und schwer. Es war ihm, als hielte er eine Fackel in der Hand. Das Licht strahlte gleißend hell, so dass um ihn herum nichts mehr zu erkennen war. Ein Zuviel an Licht breitete sich aus. Von dort aus, wo er stand, züngelten die Lichtstrahlen durch eine Landschaft, die er kannte. Er war sich sicher, dass er schon einmal dort gewesen war. Aber erkennen konnte er nichts. Ja, es fühlte sich sogar so an, als hätte er keine Augen mehr, als wäre das Licht selbst nur eine Täuschung. Er ließ die Fackel fallen, aber sie fiel nicht. Er warf sie fort, aber sie ließ sich nicht werfen. Schlimmer noch: Die Fackel würde bald abgebrannt sein. Schon näherte sich die Hitze seiner Hand. „Wenn nur jemand diese Fackel nähme,“ flehte er. Tatsächlich stand Stiefer im selben Moment neben ihm und entwand ihm das Licht. Es wurde dunkel. Morth kniete sich erleichtert und erschöpft auf den  Boden. Allein wachte er auf.

In der Dämmerung des heraufziehenden Tages kochte er Kaffee und setzte sich in die Küche. Er dachte an Fuller und fragte sich, warum er nicht bei Stiefers Beerdigung aufgetaucht war. Eine Mail würde er schreiben und fragen. Denn Fuller war einer wenigen aus der alten Zeit, die er nicht verlieren wollte. Seine Gefühle Sue gegenüber dagegen machten zwar sein Herz schwer, aber er merkte auch, dass er keine Alternative dazu gab, sie zurückzulassen. Sie würde ihm nicht folgen können. Er wusste zwar nicht, wohin es gehen sollte, aber Sue hatte ihren eigenen Weg. An die Uni, nach Afrika, sonst wohin. Er begann sich eine Abschiedsrede zurecht zu legen.

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