Der kleine Morth (lxxvii)

Die nächsten Tage standen unter dem Motto VERÄNDERUNG. Nicht so sehr, dass Morth einen künstlichen Drang zur Veränderung aufgebaut hätte. Es war eher so, dass er die schon vollzogene Wandlung nach außen sichtbar  machen wollte. Die Raupe, die sich längst als Schmetterling fühlte, verpuppte sich.

Und so beschloss Morth, seine Wohnung zu kündigen, sich von alten Gewohnheiten zu trennen und von alten Freunden, die, wie er meinte, seinem Gesundungsprozess, denn darum ging es eigentlich, im Weg standen.

Nun war sein Freundeskreis nicht allzu groß. Darum musste als Erster sein alter Kumpel Till daran glauben. Morth vereinbarte ein Treffen auf neutralem Boden mit ihm. Im Cafe Prinkler saß man sich dann gegenüber und Morth wusste plötzlich nicht mehr, was er eigentlich vorzubringen hatte. Das heißt, er wusste es schon, nur wusste er nicht mehr, ob er damit auch die Person meinte, die ihm gerade gegenüber saß.

Also beließ er es dabei, Till darüber aufzuklären, dass er für sich beschlossen hatte, sich zurückzuziehen. Er brauche Abstand, müsse sich neu finden.

Till sah in die ganze Zeit über nur verwundert an und trank seinen Kaffee mit Cognac. Sein Gesicht sprach Bände und Morth hatte lange genug mit diesem Gesicht zu tun gehabt, als dass er die Zeichen darin nicht zu deuten gewusst hätte. Till hielt ihn für verrückt. Aber was half es? Da musste Morth nun durch.

Zum Trost und Abschied schob er Till noch die Hälfte seines restlichen Kokains unter dem Tisch des altehrwürdigen Cafes zu. Der Beschenkte linste kurz auf den kleinen Plastikbeutel und ließ ihn schnell in der Hosentasche verschwinden. „Ja, denn, danke, Mann,“ nuschelte Till.

Die andere Hälfte war für Karla bestimmt. Auch zu ihr wollte Morth die Verbindungen kappen und auch sie hatte er ins Prinkler geladen. Genau eine Stunde nach Till.

Karla zeigte sich empört, aber auch verständnisvoll. „Ich bin immer die erste, die es trifft. Bin wohl so etwas wie ein Symbol für alles, von dem man sich früher oder später trennen muss,“ sagte sie und Morth sagte ihr, dass sie in seinem Fall, die zweite wäre. Da musste Karla lachen und Morth gab ihr ihren Beutel. Nach zwei Stunden hatte er die Brücken, von denen er glaubte, dass er sie nicht mehr beschreiten wollte, abgebrochen.

Als er allein war, griff er zum Handy und rief Charlotte an. „Alles klar bei dir? Hast du die Bilder schon abgegeben? Prima! Wie war der Flug? Fein! Du bleibst noch ein paar Tage länger? Super! Ja, Fuller ist ein ganz Netter. Sicher. Viel Spaß! Tschüß!“ Es lief alles wie geschmiert.

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