Aufmerksamkeit

Der kleine Mann da vor ihm hatte ADHS, keine Frage. Sprunghaft hüpfte sein Blick durch den Raum. Wenn Dr.Harten ihn ansprach, fing er an zu klatschen. In Schule war es besonders schlimm, erzählte die besorgte Mutter.

Was heißt ADHS eigentlich?, wollte sie wissen. Dem Arzt fiel die genaue Bezeichnung gerade nicht ein und so sagte er einfach: Ihrem Sohn mangelt es an Aufmerksamkeit. Deswegen ist er so nervös.

Dr.Harten war klar, dass es so einfach auch wieder nicht war. Trotzdem fuhr er fort: Bekommt er denn zu Hause genügend Aufmerksamkeit?

Die Mutter fing an zu erzählen. Der entschuldigende Klang ihrer Stimme drang zu ihm durch, während er seine Redepause nutzte, um verständnisvoll nickend, aber völlig abwesend in seinem Medizin Katalog die geeigneten Pillen für den kleinen Maximilian herauszusuchen.

Naja, unterbrach er die Mutter, als er gefunden hatte, was er suchte, wir sind ja alle nicht perfekt. Nicht wahr? Lassen Sie sich draußen ein Rezept geben und wir sehen uns in einem Monat wieder. Einverstanden?

Die Mutter nickte dankbar. Mit Ihnen kann man so gut reden, sagte sie noch.

Wenn es nur immer so einfach wäre, dachte Dr.Harten in Erwartung seines nächsten Problemfalls.

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2 Gedanken zu “Aufmerksamkeit

  1. Wozu denn bitte monate-, ja, jahrelange Psychotherapie, wenn eine Neurotransmitter-Pille dieselbe Wirkung hat? Oder sagen wir besser: überhaupt eine Wirkung? So eine beschädigte kleine Seele bekommt man leicht in den Griff. Ich finde das Vorgehen des Dr. Harten absolut angezeigt.

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