Dämmerung

Dahin dämmern, auf grünen Laken, auf grünem, kühlem Stoff. Einbruch des Himmels in die Welt, kurz nur, am Nachmittag, zwischen Wachen und Dunkelheit. Draußen dröhnt die Sonne.

Je mehr an ihm gezogen, Verlangen in ihn verlegt und er aufgefordert wurde, desto mehr wünschte er sich die Dämmerung zurück. Was blieb ihm sonst? Es war keine Frage der Ehre, der Moral schon gar nicht. Es war eine Frage der Möglichkeit. Und wie eine Schnecke, der sich die Möglichkeit bietet ins nasse, feuchte Gras zu gelangen, so bot sich ihm kurz nur, kurz, an manchen Tagen auch nur die Möglichkeit der Dämmerung, das Schweben in einem Zustand der Unschuld. Das Nichtwollen war sein Ziel. Er wollte das Nichts. Nichts wollte er mehr als die Ruhe der nachmittäglichen Schatten, wenn selbst der Fahren der Autos auf der graue Straße nur ein leises Rauschen war, weil die morgendliche Eile sich erledigt hatte. Auf ein Mal. Wenn die Hast derer, die sich hetzen lassen, abfällt und sich deren Gedanken schon auf den Abend richten, wie sich der Beter nach Osten richtet, auf den Ort hin, der immer nur vor ihm liegt, auch wenn er ihn erreicht.

Doch wie kurz ist dieser Moment! Das Laken wird warm vom Liegen, der Körper lässt sich spüren, die Kinder kommen klingelnd nach Hause und er freut ich ja auch darüber noch halb in der Halbwelt stehend. Sie drängen an das Bett. Sorgen, Lächeln, Liebesdurst. Er fragt sich, wie die Kinder das können. So da sein, so präsent und hungrig, als wären sie, wenn sie wach sind, wach. Als gingen sie nicht wie er stets ein wenig im Nebel. Als stünden sie nicht neben sich. Als wäre die Welt ihr grünes Laken und das helle Licht des Mittags ihre Dämmerung.

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