Vergangenheitsbewältigung

Michaela hat angerufen. Drei Jahre hatte ich nichts mehr von ihr gehört und dann klingelt auf einmal das Telefon und sie ist dran. Mir ist fast das Glas mit dem Karottensaft aus der Hand gefallen als ich ihre Stimme hörte.

Man sollte, wenn man ans Telefon geht, wirklich nichts Flüssiges halten. Ich werde mir ein kleines Tischchen neben den Apparat stellen. Vielleicht gibt es eins bei Ikea. Da wollte ich sowieso mal wieder hin. Neue Gläser brauche ich und Teller. Kerzen sind auch alle, aber jetzt kommt ja erst mal der Sommer.

Michaela hat erzählt, dass es ihr gut ginge. Prima, habe ich gesagt, und dass mich das freut. Ihr ging es damals nicht so gut. Tabletten musste sie nehmen, damit es überhaupt ging. Mir war das unheimlich. Am Ende weiß man gar nicht mehr, mit wem man da zusammen ist.

Sie wohnt noch in der Stadt, in der Nähe sogar. Seltsam, dass wir uns nie zufällig begegnet sind. Sie denkt, dass wir einfach andere Zeiten haben. Du gehst ja immer so früh aus dem Haus, hat sie gesagt. Irgendwie klang das für mich wie ein Vorwurf. Das hat mich an früher erinnert.

Und dann hat sie die Katze aus dem Sack gelassen.

Sie wollte sich mal entschuldigen. Ich wusste nicht gleich wofür. Da war so vieles.

Verstehst Du warum?, hat sie gefragt. Ja,klar, habe ich geantwortet, und danke!

Irgendwie würde es mich jetzt schon interessieren, wofür genau, aber genau genommen will ich vor allem meine Ruhe. Innen drin.

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