Der kleine Morth (lxi)

Sue hatte Morth als guten und großzügigen Liebhaber kennen gelernt, einen, der seinen Raum brauchte, Luft zum Atmen und ihr war es immer recht so gewesen. Und jetzt lag dieser Kerl in ihrem Schoß und erzählte etwas von Liebe, die doch das wichtigste sei und dass er auf einen Fingerzeig von ihr alles aufgeben würde: seine Malerei, seine Art zu leben, die wilden Nächte, das Kokain. „Wie kommt er nur darauf, dass ich das von ihm verlangen würde?“ fragte sie sich. „Hey, hör zu, Viktor!“ sagte sie endlich. „Du bist voll o.k. so. Alles prima. Lass uns morgen nach New York fliegen und Spaß haben. Komm schon! Was stört es Dich, dass Du ein paar Bilder verkaufen sollst? Ist doch cool.“

Morth fuhr zornig auf: „Cool findest Du das. Ja? Na, dann mal Du doch den Scheiß und trage Deine Seele auf den Markt. Ich schütte Dir hier mein Herz aus und Du, Du, …“ Er wusste nicht weiter. „Tut mir leid,“ sagte er dann. „Wahrscheinlich hast Du recht.“

Wieder klingelte das Telefon. Morth griff über sich und holte den Hörer zu sich herunter. Ein Reisebüro meldete sich und wollte wissen, ob die Tickets abgeholt werden würden oder ob man einen Kurier schicken sollte. „Machen Sie sich keine Mühe. Wir kommen vorbei,“ meinte Morth und legte auf. „Stiefer hat Tickets für uns bestellt. Wir können sie abholen. Kommst Du mit?“ fragte er Sue.

Sue musste noch etwas an der Uni erledigen. Sie würden sich später zum Abendessen treffen. Morth war ganz froh, noch mal raus zu kommen und allein durchatmen zu können. Er ließ sich Zeit und machte einen langen Spaziergang durch die Parks in der Nähe. Schließlich ging er zum Reisebüro und ließ sich die Flugtickets und Hotelvoucher aushändigen. Eine Woche hatte Stiefer für sie vorgesehen.

Mit den Tickets in der Tasche schaute er bei Gabriele Gablers Galerie vorbei. Er wollte ihr erklären, warum sich die Sache mit der Ausstellung verschieben würde. In aller Freundschaft. Die Gabler war aber sofort sauer und zickte rum. Morth konnte sie verstehen, hatte aber keine Lust sich die Anklagen länger als nötig anzuhören und so stand er schnell wieder draußen und bummelte die bekannten Straßen zurück nach Hause. Sue würde bald zu ihm kommen und er musste noch packen.

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