Der kleine Morth (lix)

„Hey Man, how’s it goin’?“ witzelte Morth. “Prima,” antwortete Fuller 6000 Kilometer entfernt, „wie soll es mir schon gehen? Ich freue mich, dass Ihr kommt. Habt Ihr schon gebucht?“ Im Hintergrund hörte Morth eine Frau laut nach einem Taxi schreien. „Wann passt es Dir denn? Wir sitzen schon auf gepackten Koffern. Innerlich, meine ich, innerlich gepackte Koffer.“ „Wegen mir könnt Ihr heute noch hier auftauchen. Ich muss nur noch mit ein paar Leuten telefonieren. Will doch, dass meinem berühmten Malerfreund aus Europa ein würdiger Empfang bereitet wird.“ Morth stöhnte: „Lass stecken, Alter. Ich will eigentlich nur mit Dir durch die Bars ziehen und Spaß haben. Sue macht Sightseeing und wir schießen uns weg. Was denkst Du?“ Fuller ließ auf eine Antwort warten. Die Frau schrie immer noch, zunehmend außer sich nach ihrem Taxi. Morth wünschte sich, dass bald eins käme. Hysterische Amis!, dachte er. „Dass Ihr Deutschen immer ans Schießen denken müsst,“ versuchte Fuller schließlich originell zu sein. „Aber was spricht gegen eine kleine Jagdgesellschaft? Dir werden meine Leutchen hier gefallen. Versprochen! Mit einem Kaliber wie Karla kann ich nicht dienen, aber wir werden schon auf unsere Kosten kommen. Und Du vor allem! Die sitzen hier alle nur auf ihren prallen Gelbbeuteln und warten darauf, Dir alles abzukaufen, was Du verkaufen willst. Was besseres als Stiefers Werbung hätte Dir gar nicht passieren können.“ Wieder stöhnte Morth leise. Das Geld kam ihm langsam wie eine unaufhaltsame Lawine vor und er war dabei mitten hinein zu rasen. Es würde ihn erdrücken. Er spürte es jetzt schon. Dabei hatte er doch nur ein wenig Anerkennung gewollt.

Sue kam in seinem Rücken aus dem Crack und tätschelte Morths Arsch. Er erschrak, so sehr war er schon über dem Teich bei Fuller. Er hatte angefangen, sich vorzustellen, wie er, Sue und Fuller mit seltsamen Gestalten durch die Glas-Beton-Berge New Yorks stürzten, architektonische Klischees durchwanderten, die Augen sehnsüchtig nach etwas Altem suchend, der Mund bitter vom Gin.

„Alles gut, Süßer,“ lallte Sue, „ich bins doch bloß! Wersn dran?“ Morth legte einen Zeigefinger senkrecht über die Lippen. „Also gut,“ sagte er in sein Telefon, „dann schauen wir, dass wir bald bei Dir sind. Ich geb Dir Sue mal. Cheerio!“ Sue glotzte, nahm aber das Handy und horchte hinein. Eine Sekunde später breitete sich ein Lächeln über ihr hübsches Gesicht aus. „Fuller!,“ stieß sie voll Begeisterung hervor. Dann lauschte sie und ihre Wangen röteten sich. Morth konnte das im Neonlicht vor dem Crack nicht sehen. Er rauchte und dachte schon wieder an Bilder, die er noch malen wollte, bis sie zu Fuller fliegen würden.

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