Der kleine Morth (liix)

„Warum gehen wir jetzt nicht noch in Dein Atelier?“ fragte Sue auf dem Weg zwischen Alfons Bar und dem Crack. Marlies schwankte schon ordentlich. „Au ja!“ schrie sie vor Entzücken. Morth schaute seine Freundin Hilfe suchend an. Es war zu spät. Marlies sagte bestimmend:“ Wo geht’s lang?“ Morth deutete die Straße hinunter. Mit unsicheren Schritten stürmte sie, den Oberkörper in gefährlicher Schieflage haltend, vorne weg. Eine solchen Drang zur Kunst hatten die beiden hinter her gehenden bislang noch nicht erlebt.

„So habe ich mir das vorgestellt,“ begeisterte Marlies sich, nachdem die drei eingetreten waren. Morth war froh, dass sich sein Atelier noch in einem einigermaßen vorzeigbarem Zustand befand. Schampus war noch vom Besuch der Saudis da. Er war zwar nicht kalt, aber immerhin. Sie tranken aus der Flasche. Die Mädels unterhielten sich. Morth suchte ein paar Bilder aus, um sie für den Versand fertig zu machen. Die Käufer warteten. Am nächsten Tag wollte er Charlotte anrufen. Sollte die sich um den Kram kümmern. Er stellte die in Packpapier eingeschlagenen Leinwände in eine Ecke.

Marlies schien mehr von der Atmosphäre gefangen zu sein, als dass sie sich für die Bilder interessierte. Vielleicht war sie aber auch einfach nur zu betrunken, um überhaupt noch irgendwas zu checken. Morth war es recht. „Können wir jetzt?“ fragte er und hoffte, dass Sues Freundin so vernünftig war, sich zu verabschieden. War sie nicht. Sie wollte unbedingt noch mit ins Crack kommen. Morth fluchte innerlich, fügte sich aber.

Im Crack lief die selbe Nummer wie immer. Zugedröhnte Reiche drückten sich in den dunklen Ecken herum, ein DJ aus Japan, Brasilien oder sonst woher legte auf. Es roch nach Parfum und Alkohol. Morth schaute sich nach Charlotte um, fand sie aber nicht. Irgendein Szenetyp, der sich laufend an der Nase herum wischte, laberte ihn voll. Seine Bilder wären der Hammer und er würde sich bestimmt mal eins kaufen. „Mach das das!“ forderte Morth ihn abweisend auf. Der Typ verpisste sich und die Idee mit den schwarzen Haken auf pinkem Untergrund kam ihm wieder in den Sinn. Er ärgerte sich, dass er seinen ersten Versuch bei Till weg geworfen hatte. Für die Leute hier wäre es gerade gut genug gewesen. Vielleicht sollte er es zusammen mit der Mülltonnen verkaufen, überlegte er. Das gefiel ihm. Er würde Till fragen. Sein Handy klingelte. Es war Fuller. In New York war es jetzt früher Abend. Morth ging zum Telefonieren nach draußen.

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