Als der Winter ging (17)

Und diese geistig vorgeformte Gemeinde wird auch noch nach allen Mitteln, die moderne Technik bietet, überwacht. Von der Wiege bis zur Bahre. Jeder wird auf Tauglichkeit, Verwertungspotential und Wohlverhalten hin überprüft und entsprechend von Vater Staat gehandelt. Es geht los mit verpflichtenden Untersuchungen für Neugeborene. Wie viele gibt es mittlerweile davon? Neun oder zehn? Es gibt den Sprachtest für Dreijährigen, dann die Schule, wo verstärkt „soziales Verhalten“ trainiert werden soll. Hier kommt man auch schon in den Bereich der Vorratsdatenspeicherung. Ab 14, besser noch ab 12 Jahren, soll diese greifen. Terrorverdacht!

Anschließend die Ausbildung. Da hat man schon seinen Ausweis, in dem biometrische Daten festgehalten werden. Auf dem Passfoto darf man nicht lachen, weil einen die Überprüfungsautomaten sonst nicht zuverlässig wieder erkennen könnten. So schauen wir dem Staat nun mit ernstem Blick ins prüfende Auge.

Aber es geht ja weiter. Jeder längere Ausflug wird durch Kameras über den Autobahnen aufgezeichnet. Handytelefonate können Jahre später noch nachvollzogen werden, Kontodaten, Internetverhalten, Lottospiele sowieso. Wir werden in Supermärkten, Flughäfen, auf öffentlichen Plätzen, in Stadien und auf Bahnhöfen von Kameras gefilmt, abgeglichen und aufgezeichnet. Habe ich etwas vergessen? Sicher! Es gibt ja noch die herkömmlichen Sicherheitsdienste und die Polizei und ich möchte nicht wissen, was die so treiben.

Das alles soll unserem Schutz oder dem Schutz unserer Kinder vor Vernachlässigung durch uns dienen.

Wer Schutz sucht hat Angst. Oder? Vielleicht verstehe ich das ja falsch. Bitte korrigiere mich, wenn es anders ist. Vorerst bleibe ich aber einmal bei meiner Behauptung.

All diese Mechanismen der Überwachung und Kontrolle fahren wir auf, um uns zu schützen. Aber wissen wir denn überhaupt noch, was wir schützen wollen? Und vor wem? Letzteres wahrscheinlich noch eher. Momentan ist es der Terror. Früher war es der Sowjet, dem alle Menschlichkeit abgesprochen wurde. Da baute man noch Rakete um Rakete, Panzer um Panzer, um sich zu schützen. Das drang aber in den Alltag eines nicht militärischen Menschen nicht auf diese Weise ein, wie unsere heutigen Maßnahmen es tun.

Völlig verrückt machen mich bei dieser ganzen Sache zwei Dinge. Zum einen habe ich vor dem, was da geschützt werden soll, viel mehr Angst als vor dem, was mich da angeblich bedroht. Und zum anderen, verstehe ich nicht, dass kaum jemand sehen mag, dass wir gerade einen Apparat schaffen, der jetzt schon in den Händen von Planlosen, von Durchschnittlichen und Gewählten eine Gefahr darstellt und eine Versuchung höchsten Ausmaßes. Jetzt stell Dir aber mal vor – ich finde das alles andere als abwegig – dass wieder die Aufstrebenden, die Planvollen, die durch und durch Überzeugten ans Ruder kommen! Löst sich dann dieser Überwachungsapparat auf?

Kein Problem, sagen die Braven. Wir haben nichts zu verbergen.

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Ein Gedanke zu “Als der Winter ging (17)

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