Als der Winter ging (15)

Die Anderen helfen sich mit Tabletten. Hast Du eine Ahnung, wie viel Leute da draußen gedopt zur Arbeit gehen? Die schlucken Tabletten, damit sie es aushalten können. Stress, Überstunden, Leistungsdruck und – da haben wir es wieder – die Angst.

Das sind Millionen, die sich regelmäßig Psychopharmaka reinschmeißen, um die Angst zu besiegen. Keine Zeit für persönliche Entwicklung, keine Kraft für den Kampf mit sich selbst, keine Lust auf langwierige Heilungsprozesse. Dafür lieber –click, click, click – ein paar Pillen bei Dr. Internet bestellt und schon geht’s weiter.

Die Kinder bekommen auch was gegen den Zappelphilipp. Es stört ja auch, wenn die sich so in den Vordergrund drängen. „Immer wollen die nur Aufmerksamkeit. Und wo bleibe ich?“

Überhaupt die Kinder! Die tun mir leid. Was die heute alles ertragen müssen. Kaum sind sie aus dem Mutterbauch gekommen, landen sie schon in der Krippe, wie man solche Einrichtungen verharmlosend nennt. Da wird den Kleinen möglichst bald bei gebracht, dass es auch ohne Mama und Papa geht, dass Vater Staat sich schon kümmert. Da dreht sich das Spiel gleich um Effizienz und Vorankommen. Förderung heißt sich das. Die Liebe findet statt, wenn Mama und Papa abends erschöpft von der Arbeit kommen und vorher auch noch das schon leicht entfremdete Kind abholen müssen.

Das haben wir wirklich toll hinbekommen. Jetzt müssen sich die Mütter nur noch ein paar Monate von der Arbeit abhalten lassen. Dann dürfen sie sich endlich wieder hinter der Supermarktkasse oder im Bundestag verwirklichen. Herrliche Zeiten!

Am Ende werden wir dann alt und wundern uns, dass wir in Heimen landen, wo uns schlecht gelaunte rumänische Schwestern im Sekundentakt den Po abwischen.

Wir versuchen noch, Ihnen die paar Fetzen unseres Lebens zu erzählen, die uns in Erinnerung geblieben sind, sie verstehen uns aber nicht. Selbst, wenn sie wollten, sie können uns nicht zuhören. Dürfen sie auch gar nicht. Der Nächste wartet schon.

So gesehen bin ich wirklich froh, dass ich keine Kinder habe. Da brauche ich mir über meine Zukunft wenigstens keine Illusionen machen.

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