Die Deutschen und die Krise

Eine Wirtschaftskrise unbekannten Ausmaßes rollt über die Welt. Exporte, Weltkonzerne, Banken, Sicherheiten, alles bricht ein. Gleichzeitig, flächendeckend, grenzenlos. Fast könnte man meinen, der Untergang sei nahe und apokalyptische Reiter müssten sich bei nächster Gelegenheit aus dem U-Bahn-Schächten der Städte heraus erheben.

Und doch gibt es da dieses rätselhafte Völkchen in der Mitte Europas, das sich von all dem nicht die Laune verderben lässt. Ja, es scheint so, als käme den Deutschen die Krise geradezu gelegen. Das mag damit zu tun haben, dass im kollektiven Unterbewusstsein gespeichert ist, nach dem Untergang geht’s uns besser als vorher. Erst wenn alles im Arsch ist, schlägt unsere Stunde.

Erst dann macht es richtig viel Spaß an die eigenen Tugenden zu glauben: Allmachtsfantasien, billiges, fettes Essen und das plötzliche Auftauchen von Wunderwaffen. BMW, so sagt man, soll ein ganz tolles neues Modell in der Pipeline haben.

Außerdem haben wir jetzt endlich einen handfesten Grund für unsere schlechte Laune. Wie befreiend das ist! Wir müssen uns nicht mehr vor Gott und der Welt dafür rechtfertigen. Wir können frisch und frei darauf los grummeln und es gibt niemanden, den das wundert.

Endlich können wir uns unsere Schwarz-Rot-Gelb-Perücken vom Kopf ziehen und die Welt-zu-Gast-bei-Freunden-T-Shirts vom Leib reißen. Schließt die Beachclubs, verrammelt die Caipi-Stände. Der Sommernachtstraum ist endgültig vorbei. Man soll wieder unser wahres Gesicht sehen können. Die Krise bietet dazu den besten Anlass.

Nicht, dass wir darauf angewiesen wären. Aber so ein Niedergang macht doch vieles leichter. Finden Sie nicht?

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