Als der Winter ging (3)

Woher ich das alles noch weiß? Diese Frage stellt sich mir. Während dieser Zeit hatte ich nicht den Eindruck, ich würde irgendetwas aufnehmen. Von Reflexion, Einkehr, Erinnerungsarbeit ganz zu schweigen. Und doch ist etwas hängen geblieben.

Ich hatte zwei Handys, eins davon habe ich inzwischen verloren. Aber dazu vielleicht später.

Als meine Off-Road Zeit langsam ihrem Ende zu ging, habe ich mir noch ein Paar grüner Turnschuhe gekauft. An Gegenständen wie diesen hängt jetzt ein Gutteil meiner Erinnerung. Die Schuhe zum Beispiel erinnern mich an den Nachmittag als ich völlig motivationslos in ein Einkaufscenter gegangen bin. Ich kann noch dem krampfhaften Unwohlsein nach fühlen, das ich hatte, als ich auf dem Hocker saß, um meine alten Schuhe aus- und die neuen anzuziehen. Wie so oft beschlich mich das Gefühl, dass es mich gleich umlegen würde. Kein einziges Mal ist das wirklich passiert, aber das Gefühl hatte ich ständig. Ich hätte damals wetten können, dass ich in einem Krankenhaus landen würde.

Wahrscheinlich habe ich die Schuhe dann nur gekauft, um nicht weiter aufzufallen, um keine Fragen zu provozieren. An der Kasse wird man nur gefragt, ob man eine Tüte möchte. Das ging noch. Dabei kam ich nicht gleich ins Schwitzen.
Heute laufe ich manchmal mit diesen Schuhen an den Füßen herum. Sie passen nicht zum Rest meiner Kleidung. Da sind meine alten Lederschuhe viel vorteilhafter und doch hänge ich an den grünen Turnschuhen. Gekaufte Sachen sind meine Tagebucheinträge.

Die andere Quelle meine Erinnerung sind Nachrichten, die ich auf einer Mailbox hinterlassen hatte. Wie gesagt, ich hatte zwei Handys. Eins zum Anrufen, eins für die Weiterleitung zur Mailbox. So hatte ich mir das eingerichtet. Ein paar dieser Nachrichten habe ich gespeichert. Vor ein paar Tagen habe ich sie mir angehört, nachdem ich heraus bekommen habe, wie ich auch mit dem Sprechhandy die Mailbox erreichen kann. Solche Vorgänge gehen mir nicht leicht von der Hand. Ich brauche lange, um die Zusammenhänge zu verstehen. Als ich klein war, gab es keine Handys, keine Computer, keine Verlorenheit. Das kam viel später.

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