Karl-Gustav

Jetzt habe ich meinem Sohn doch eine Spielkonsole gekauft. Und ich weiß genau warum. Ich habe sie ihm gekauft, damit ich mir nächstes Jahr keine Gedanken machen muss, was ich ihm zum Geburtstag schenke. Ab jetzt ist erst mal Ruhe. Ich geh schnell in den Laden und nehme einfach die beiden neuesten Spiele mit. Fertig. Sohnemann ist glücklich und ich habe meine Ruhe. Herz, was willst Du mehr?

Als ich jung war, fing das gerade an mit diesen Videospielen. Wir waren wie vernarrt darauf, obwohl die Grafik im Verglich zu heute … Heute sprechen wir gelegentlich noch darüber. Auf Partys oder bei anderen Gelegenheiten. Manche bekommen ganz feuchte Augen bei dem Thema. Das sind wahrscheinlich die, deren Eltern sich kein solches Teil leisten konnten und die immer beim Nachbarn daddeln mussten, obwohl sie den nicht mochten. Das ist ein Trauma für die, bis heute, glaube ich. Sie mussten stundenlang neben diesem Arschloch sitzen, bis der sich endlich erbarmte, sie auch mal ranzulassen und das meist auch nur weil seine Mutter reinkam und etwas sagte wie: „Jürgen, Schatz, lass doch auch mal deinen Freund spielen!“

Ich habe den Eindruck, dass die jungen Leute heute solche Sehnsüchte gar nicht mehr kennen. O.k. die ganz Armen vielleicht, die in den Vorstädten, in den Plattenbauten, ja, die vielleicht. Die sitzen vor der Werbung im Kinderfernsehen und denken sich ihren Teil. Da wird schon bei den Kleinsten ein Gewaltpotential aufgebaut. Da könnte man richtig Angst vor kriegen. Gut nur, dass der Fortschritt auch beim Thema Sicherheit kein Halten kennt. Ich habe mir zum Beispiel jetzt eine Videoüberwachung gekauft. Ja, da ist es wieder: Video. Video – lateinisch – ich sehe. Ich sehe jetzt also, wer an meiner Tür klingelt. Ich kann das sogar sehen, wenn ich gar nicht zu Hause bin, auf meinem Handydisplay. Rational nenne ich so was. Da hat sich jemand mal wirklich Gedanken gemacht. Mein Sohn steht zum Beispiel vor der Tür und ich bin nicht da und sonst keiner. Da kann ich ihm auf machen, auch wenn ich auf Arbeit bin. Das dauert dann vielleicht ein bisschen, bis das Signal ankommt, aber ich kann im aufmachen. Und das zählt ja bei dem Thema. Wem mache ich auf und wem nicht?

In zwei Wochen ist also Weihnachten und mein Sohn bekommt endlich seine Konsole. Wahrscheinlich weiß er es schon. Kinder ahnen so was ja und dumm ist er auch nicht. Im Gegenteil! Ich sehe ihn schon spielen. Meiner Frau und mir stehen ruhige Weihnachten bevor. Zum Glück habe ich unseren alten Röhrenfernseher aufgehoben, sonst hätten wir immer warten müssen, bis er mit dem Spielen fertig oder mir der Kragen geplatzt ist. So ist das schon besser so. Er kann in seinem Zimmer schön spielen und wir haben das Wohnzimmer für uns.

Es tut wirklich gut, mal seine Gedanken aufzuschreiben. Da hatte Dr.Rückert schon recht. Das hätte ich viel früher mal ausprobieren sollen. Aber was soll man denn noch alles?

Spannend finde ich auch, dass mein Sohn, wenn ich nicht mehr bin, meine Notizen hier findet und liest. Dann kann er sich ein Bild machen, darüber wie es mal war. Deswegen will ich hier auch ganz ehrlich sein und mir Mühe geben. Die Jugend vergeht so schnell und dann möchte man doch etwas haben, an das man sich erinnert. So wie wir an unsere Videospiele, damals. Schön war das.

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