Das leere Herz

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Advent und Weihnachten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Noch vor ein paar Jahren musste man sich wenigstens am Rande mit dem christlichen Anlass der ganzen Feierei auseinander setzen. Wobei diese Formulierung natürlich zu hoch gegriffen ist. Was heißt schon Auseinandersetzung?

Zumindest im Westen waren christliche Symbole und Lieder entsprechenden Inhalts öffentlich zu sehen und zu hören. Ich weiß nun nicht, ob es an meinem traditionell eher religionsfernen Wohnort Hamburg liegt oder ob es ein bundesweiter Trend ist, aber es erstaunt mich schon, wie rigoros hier halbwegs ernstgemeinte und reflektierte Inhalte durch Kitsch a la Schneeflöckchen, Weihnachtsmann und -stern ersetzt werden. Nichts soll mehr an die doch eher anstrengenden Wurzeln dieses wahlweise Lichter-, Endjahres-, Sonnwend- oder Familienfestes erinnern. Man könnte meinen, dass die einst belächelten Umdeutungsversuche (Engel = Endjahresflügelpuppe) in der DDR nun doch erfolgreich sind. Bloß in keinem Kindergarten muslimische Kinder mit christlichen Botschaften konfrontieren! Nur keine Bilder vom armen, vertriebenen und in der Fremde geborenen Jesus ins Bewusstsein rufen. Das stört beim Ignorieren armer, vertriebener und in der Fremde geborener Menschen, während der Glühwein fließt. Außerdem steht beim Thema Jesus ja auch immer dieses blutige Kreuz am Horizont. Gott bewahre!

Aber eigentlich geht es doch wie immer um etwas anderes: den Konsum. Das ist natürlich ein altes Lied zu Weihnachten. Alte Lieder aber müssen ja nicht zwangsläufig falsch sein.
So wie sich unsere Städte früher um große Kirchen in ihrem Zentrum gruppierten, so kreisen sie heute um die City, um die Wolkenkratzer und die Profit Center. Das Land kreist um die Städte. Letztendlich kreisen wir um nichts. Denn das, was in diesen Zentren erdacht und produziert wird, tendiert von seinem geistigen Wert her in der Regel gegen die Nullmarke.
Und weil die Menschen doch noch etwas fühlen müssen, gibt es den Kitsch zur Vorweihnachtszeit. Da werden die letzten Reste von etwas ausgepresst, was einmal etwas bedeutete. Die Substanz der vergangenen Jahrhunderte wird noch einmal ausgekocht, damit wir heute den Geschmack von irgend einem Sinn auf die Lippen bekommen. Und dann gehts weiter. Zunehmend unlustig, zunehmend sinnentleert. Woher kommt das nur?

Frohen zweiten Advent!

2 Gedanken zu “Das leere Herz

  1. Ganz schön ernüchternd, aber so isses. Zum Glück wird es uns nie gelingen, unser emotionales Vakuum mit Konsum zu füllen. Und das wird den Leuten irgendwann auch klar werden.

  2. So eine Zusammenfassung der Adventszeit hätte man nicht besser beschreiben können. Aber es ist wichtig, das jeder mit dieser Zeit das macht, was ihn glücklich macht und nicht den gesellschaftlichen Regeln einfach zu unterliegen …

    In diesem Sinne … einen schönen Advent

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