Gabriele

Es fühlte sich einfach fantastisch an. Wahnsinn! Da hatte sie sich endlich mal wieder getraut und es funktionierte tatsächlich. Wo gibt’s denn so was?

Am Abend vorher hatte sich Gaby einfach einen Typen aus Klaus Schenke gegriffen. Typen wollen ja immer, aber eigentlich war alles doch anders.


Fest stand, dass Gaby zwar noch gut in Schuss war. Vor allem ihre flotte Beine waren ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte und es auch tat. Fest stand aber auch, dass sie seit Jahren keinen Kerl mehr im Bett hatte. Abgesehen von Klaus, den sie Sylvester mal aus Mitleid mit genommen hatte, und der dann eingeschlafen war, bevor sie aus dem Bad kam. Kurz: Sie hatte vergessen, wie sich ein Mann anfühlte, im Arm und zwischen ihren Beinen. Wie es war, wenn er voller Geilheit sein Ding unterbringen musste und sie stolz war und geil und sich ihm entgegen reckte. Auch wenn da immer etwas Zurückhaltung blieb.

In den 70ern hatte sie Männer gehabt wie andere Schnupfen. Mindestens einen pro Jahr. Das waren Zeiten gewesen! Lange her war das. Sie hatte sich ganz machen lassen müssen. Sie brauchte dringend das Gefühl angefüllt zu werden, vervollständigt für den Moment. Manchmal dachte sie damals, dass sie nichts anderes brauchte. Und oft war es auch so, denn die Männer, die sie vervollständigten, kümmerten sich auch sonst gern um sie, eine Zeit lang. Wenn die Zeit um war, wuchs wieder ihr Bedürfnis, zwingend wie ein Naturgesetz.


Es war nämlich so, dass ihr kleiner Bruder, ihr jüngerer Bruder ausgerechnet, sie, als sie 16 war oder vielleicht erst 15, damit ärgerte, dass er ihr sein kleines Kinderglied zeigte und sagte: „Haste nich, haste nich.“ So setzte sich bei Gaby fest, dass sie tatsächlich da nichts hatte. Männer hatten etwas, Frauen nicht. Und alle Männer, die sie kennen lernte, verhielten sich auch dem entsprechend. Sie hatten etwas und Gaby nicht. Sie gaben, sie nahm. Gaby schob das auf die Sache mit ihrem Bruder. Aber wer weiß so was schon?

Irgendwann hörte das mit den Bekanntschaften auf, wie der Sommer aufhört. Es war vorbei, bevor sie merkte, dass es allmälig kalt wurde.

Und gestern war das so gewesen, dass sie es einfach zugelassen hatte. Dieser Holger war schon seit Wochen scharf auf sie. Klar hatte sie das gemerkt. Ihre Eitelkeit labte sich daran und verhinderte gleichzeitig, dass sie ihn überhaupt ernsthaft ansah. Immer wieder hatte ihr Holger schüchterne Blicke über die Tresenecke weg zugeworfen. Wahrscheinlich hatte er sie sogar angestarrt, wenn sie sich mit Klaus, Muru oder sonst wem unterhielt.
Na, jedenfalls sagte der Holger zu ihr: „Ich heiß Holger. Willste was trinken?“ Und plötzlich, ja, da wollte Gaby was trinken und ließ sich einladen und lachte und zwinkerte und lobte Holger für seine tollen Geschichten aus dem Baumarkt. „Wahnsinn!“ sagte sie.

Holger war vielleicht zehn Jahre jünger. Starke Hände hatte er und mit denen zeigte er Gaby, dass sie da unten sehr wohl etwas hatte. Sie konnte es jetzt noch spüren, obwohl sie schon geduscht hatte. Ein Organ, etwas. Der Gedanke fuhr ihr prickelnd durch den Kopf und dann durch den Bauch.
Wie geschickt Holger gewesen war. Ein Geschenk hatte er ihr gemacht und wusste es wahrscheinlich nicht mal. Und was für eins. Mein Gott! Nach all den Jahren. Sie war sehr glücklich.

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