Der kleine Morth (xxxxiii)

Mandy hieß eigentlich Charlotte Marie und erblickte als Tochter der viel gerühmten alpenländischen Lyrikerin Franziska Maria Obernfahrt das Licht der Welt. Zur Zeit absolvierte sie ein Praktikum bei dem Verlag, bei dem auch der ‚Art Investor’ erschien. Dort hatte sie Stiefer kennen gelernt. Man war sich näher gekommen und er hatte ihr von einem neuen Talent erzählt, einem Kometen, der sich bald in einen leuchtenden Stern verwandeln würde. Charlotte hatte aufmerksam zugehört. Ihr Interesse galt allem, was leuchtete. Nach ein paar Rückfragen beschloss sie, sich diesen Kometen zu fangen, solange das noch möglich war.

Dass sie Morth ausgerechnet in der vergangenen Nacht im Crack getroffen hatte, schrieb Sie dem Zufall zu. Sie fühlte sich der Herausforderung entsprechend gekleidet, hatte nicht ihre Tage und fand sogar das Malertalent mehr als attraktiv. Etwas größer hatte sie sich ihn vorgestellt.

Wie im Flug hatte sie ihn rumgekriegt. Dabei hatte sie sich blind auf ihr Gespür verlassen und das hatte ihr gleich gesagt: „Gib Gas, Baby!“
Mit dem Drogenkonsum Morths, der sich wie eine Mischung aus Staubsauger und Abflussrohr verhalten hatte, konnte sie locker mit halten. Das harte Training in der Künstlerumgebung ihres Elternhauses zahlte sich aus. Sie war auf ihre Kosten gekommen.

Natürlich konnte das Alles nur der erste Schritt gewesen sein. Morth kannte jetzt einige ihrer Qualitäten und Mariechen, wie sie im Gegensatz zu ihrer Mutter, die auf den Rufnamen Maria hörte, von Freunden genannt wurde, war sich sicher, dass er diese Nacht nicht so schnell vergessen würde. Sie war schließlich dabei gewesen und vermochte ihre Leistung einschätzen. Mariechen konnte durchaus zufrieden sein.

Für die nächste Begegnung hatte sie sich eine etwas andere Rolle vorgenommen, die sie mit Sicherheit auch in Perfektion aus füllen würde.
Morth hatte ihr natürlich nichts von Sue erzählt. Hatte er überhaupt etwas gesagt außer „Ohh“ und „Ja“?
Der Gedanke an Konkurrenz belastete sie also noch nicht. Sie war siegessicher bis an die Grenzen der Überheblichkeit heran, nannte sich schon Muse, sah sich auf Titelbildern am Arm ihres Göttergatten, las Artikel, in denen ihr Glanz den der Mutter überstrahlen würde. Während sie sich noch im Bett räkelte und ihren Gedanken nach hing, breitete sich ein warmes Gefühl in ihrer Magengegend aus. Sie konnte den Erfolg förmlich schmecken. Und er schmeckte nach dem kleinen Morth.

Der war in der Zwischenzeit zuhause angekommen. Neben dem Glücksgefühl, das ihn nach dieser kathartischen Nacht beherrschte, beschlich ihn langsam auch sein schlechtes Gewissen. Die vergangenen Tage mit Sue waren zu vertraut verlaufen, um sie einfach so zu über gehen. Ihm war aber auch klar, dass er ‚Mandy“ wieder sehen musste. Unter allen Umständen. Er bekam einen Ständer, wenn er nur an sie dachte. „Mandy, oh, Mandy,“ dachte er immer wieder.

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