Der kleine Morth (xxxxii)

Morth blinzelte. Um ihn herum war es dunkel. Ein Raum mit Rolladen offensichtlich. Seine Augen ließen sich nur schwer öffnen und sein Gehirn pochte im Schädel. Es roch fremd. Die Bettwäsche fühlte sich fremd an und auch der Körper, der neben ihm lag. Die Erinnerung kam in Schemen zurück.

Als er sich aus dem Bett rollte und versuchte, seine Beine möglichst leise auf den Boden zu bekommen, wälzte sich der andere Körper herum und stöhnte unergründlich. Eine Frau. Morth erinnerte sich an Lippen, die sich noch vor ein paar Stunden über seinen Schwanz gestülpt hatten. Er hatte sich ordentlich verwöhnen lassen. Jetzt bedauerte er, dass er so dicht gewesen war. Die Lücken waren größer als die Erinnerungstücke dazwischen. Kleine Inseln der Lust in der Brandung des Vergessens, in einer Brandung aus Whisky, taumelnde, bruchstückhafte Traumsequenzen, nächtliche Momente in Rot und Schwarz.

Draußen im Flur fand er seine Kleidung. Er zog sie sich über seine Nacktheit, die er in der fremden Wohnung besonders stark empfand. Es gefiel ihm, wie sein Schwanz zwischen den Beinen baumelte. Dann verschwand alles in Hosen, Hemden, Zivilisation.

Die Wohnung war klein. Neben dem Schlafzimmer gab es nur noch eine Wohnküche und das winzige Bad. Morth brauchte dringend einen Schluck Wasser oder irgendwas. Tastend suchte er nach einer Türklinke und stand schließlich vor der Spüle. Trübes Tageslicht drang durch geschmacklose Vorhänge. Er machte trotzdem das Licht an. Eine Neonröhre flackerte und stabilisierte sich.

In einem Schrank fand Morth ein Glas. Er trank bis er selbst den widerlichen Geschmack in seinem Mund nicht mehr schmeckte. Als er das Glas auf den Küchentisch stellen wollte, sah er neben einer Vase, die mit vertrockneten Rosen gefüllt war, Stiefers Visitenkarte liegen. Unverkennbar, er hatte die gleiche zu Hause. „Was geht denn hier ab?“ dachte er, kam aber zu keine befriedigenden Ergebnis. Sein Gehirn variierte die Ausgangsfrage: „Was soll das?“ Hatte ihm sein Förderer etwas Spaß verordnet? Welche Rolle spielte das Mädchen mit den unwahrscheinlich Begabungen, das nebenan in ihrem Bett schlummerte? „Soll ich die Gelegenheit nutzen und mich noch mal zu ihr legen?“ Morth musste lächeln und verließ die Wohnung auf leisen Sohlen.

Draußen atmete er erst mal tief ein, schaute auf seine Uhr: 10 nach 10. Er kam sich verwegen vor, frei und grenzenlos. Nur die Sache mit Stiefers Karte auf dem Küchentisch ließ ihn nicht los. Schräge Sache.
Er bewegte seine Kiefer, gähnte, ging zu einer Hauptverkehrsstraße und winkte nach einem Taxi. Später ärgerte er sich, dass er nicht nach gesehen hatte, wie die Lady hieß, auf dem Türschild oder so. Der bildliche Gedanke an ihre weichen, hüpfenden Brüste würde ihn sicher noch länger begleiten. Und was für ein Mund! Da war ein Name, den er über diese Erinnerung hätte heften können, sehr hilfreich. Vorerst nannte er sie Mandy.

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