Der kleine Morth (xxxxi)

„Was machst Du denn hier?“ fragte Morth aufgewühlt. Er merkte wie seine Stimme leicht vor Erregung zitterte. Kalle hatte ihn aus seiner Malblase gerissen und jetzt stand er da, nackt, fröstelnd angesichts der plötzlich herein brechenden Realität. Angesichts einer Realität, die Morth immer noch mit allem Unangenehmen gleichsetzte, mit dem Reich des Notwendigen. Er war noch nicht so weit.

„Hey, Mann, nenn mich bloß nicht mehr Kalle, wenn ich jobmäßig unterwegs bin, ja?“ schmunzelte der Fotograf. „Ah, Stiefer schickt Dich. Was will der denn schon wieder von mir?“ fragte Morth und strich sich mit seiner farbigen Hand über das Gesicht. Er wurde müde.
“Ich soll noch ein paar Deiner großen Werke ablichten, mein international erfolgreicher Freund,“ antwortete Kalle Fritsch nicht ohne ironische Färbung in der Stimme. Morth hörte darüber hinweg. „International, kakindertional,“ dachte er und ließ den Freund endlich rein.

Der machte sich frisch ans Werk. Zog hier und da Leinwände hinter anderen hervor. Stellte seine kleine Lichtanlage auf und positionierte seine Kamera. „Ist für Deinen Webauftritt,“ ließ er dabei fallen. Morth war es recht.

„Ich bin gleich mit meinem Neuesten fertig,“ sagte Morth, „Wie findest Du das denn?“ „Neu?“ fragte Kalle zurück. Er hatte keine Ahnung von Malerei, keinen Hang dazu und vor allem wollte er sich nicht auf irgendwelche spiegelglatten Diskussionen einlassen. Er mochte Morth aus unerfindlichen Gründen als Typ, nicht weil er seine Bilder mochte oder so.

Kalles Apparat klickte. Hundert Mal? Zweihundert Mal? Dann kehrte wieder Ruhe ein. „Mach davon bitte auch noch eins,“ wollte Morth, „Stiefer muss vor allem die neuen Sachen bekommen. Klar?“ „Klar klar,“ gab Kalle zurück.

„Und jetzt gehen wir ordentlich einen saufen und überlegen uns einen coolen Künstlernamen für Dich,“ schlug Morth vor. Kalle schüttelte den Kopf. „Ne, sorry, muss die Bilder noch an Stiefer schicken und außerdem habe ich schon einen Namen.“ Morth schaute ihn erwartungsvoll an. „Und?“ fragte er nach einer Pause von mehreren Sekunden. „Sag ich nicht,“ sagte Fritsch. „Ach komm. Ist Dir wohl peinlich. Aber mir kannst Dus doch sagen. Los komm! Ich verrate ihn auch nicht.“

„Magnus Neu!“ Morth bekam sich nicht mehr ein und alle Leute um ihn herum wieherten und prusteten. Immer wieder schrie er den Künstlernamen seines Freundes in die kleine Meute hinein. Die meisten kannte er nicht. War ihm aber egal. Er wollte sich das Brett geben, Spaß haben auf Teufel komm raus.

Ein ortsansässiger House DJ legte im Crack auf. Es war 4 Uhr früh und Morth glühte. Frauen umtanzten ihn, Männer hingen an seinen Lippen. Berührungen , Beat, Drogen. Alles, was er sagte, traf ins Schwarze. Die Leute kugelten sich bei jedem dummen Spruch, den er machte und beim Tanzen schwamm er auf dem Rhythmus als wäre er sein Element.

Ein bildhübsches Mädchen, soweit das Morth im Dämmerlicht des Crack erkennen konnte, zog ihn unvermittelt von der Tanzfläche weg auf eine der Eckcouchs. Ihre Zunge drang in seinen Mund. Eine Hand legte sich auf seine Eier. Er konnte es nicht glauben. Wollte aber und ließ sich fallen.

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