Der kleine Morth (xxxviii)

Den Interessenten aus den Staaten schrieb er kurz und gleichlautend: Sie mögen bei Gelegenheit Ihre Bilder persönlich aussuchen und bezahlen kommen, Adresse, Telefonnummer. Das musste fürs erste reichen.

Dann überflog er das wirre Geschreibsel vom ‚Art Investor’. Er hatte keine Lust, Korrekturen vorzunehmen und so ließ er den Text wie er war. Stiefers Redakteur wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Profis wollte Morth nicht ins Handwerk pfuschen. Außerdem vermied er so ellenlange Diskussionen über die Wirksamkeit bestimmter Schlagworte, den vorweggenommenen Anspruch der Leserschaft und die geschmacklichen Vorstellungen der Werbekunden. Als Schüler hatte Morth mal für das lokale Käseblatt lokalen Schwachsinn für lokale Idioten zusammen gefaselt, Feuerwehrfest, Schüleraustausch, Lokalderby. Das reichte ihm bis heute, um um jede Art von Journalismus einen weiten Bogen zu machen. Dabei lagen seine Bemühungen in dieser Richtung sogar noch in der guten, alten Zeit, in der ein Redakteur auch mal drei Tage lang scheintot in seinen Sessel furzen konnte, ohne gleich entlassen oder in die Onlineredaktion versetzt zu werden.

Er schrieb an Stiefer, dass alles prima sei. Er erkenne sich wieder und überhaupt sei er, Morth, ja so unglaublich dankbar für alles. Ein Lob an den Autor! Man müsse sich mal kennen lernen.

Letzteres löschte er vor dem Abschicken noch. Was sollte er mit noch so einem Kerl an der Backe?

Endlich kam er zu Fullers Mail. Der schrieb erst mal wie gern er an die Tage und Nächte mit Morth dachte. Besonders die Begegnung mit Karla hatte es ihm angetan. Kein Wunder! Und er hätte sich in New York umgehört. Die Stadt lechzte nach ungewöhnlicher Kunst aus entlegenen Weltgegenden und ein Lifestyle Magazin namens ‚Cored existence’ wollte unbedingt ein Interview mit Morth machen, via Telefon. Er solle sich bei der Redaktion melden und einen Gesprächstermin ausmachen. Morth war etwas enttäuscht. Er hatte eigentlich erwartet, dass er eingeladen werden würde.

Sue duschte. Morth hörte das Plätschern des Wassers nebenan. Er bekam Lust zu vögeln. Also ließ er Fullers Mail vorerst unbeantwortet und zog sich aus. Sue lachte als er zu ihr in die Dusche stieg.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s