Der kleine Morth (xiv)

Viktor Morth klopfte leise an die Tür. Er wollte Fuller nicht zu abrupt aus dem Schlaf reißen. Aus eigener Erfahrung wusste er, wie heikel es war, nach dem Genuss von Karlas Wundertröpfchen wieder in der ungetunten Wirklichkeit anzukommen. Eine Rutschbahn ins Grau.

Morth hatte zwei Tassen Kaffee dabei, als er vorsichtig eintrat. Der Duft würde Fullers Vertreibung aus dem Paradies etwas lindern und ihn daran erinnern, dass es auch außerhalb der Pforten Edens Genüsse gab, denen es sich lohnte nachzugeben.

Trend Fuller lag allein, nackt und unbedeckt im Bett. Er hatte alle vier Gliedmaßen ausgestreckt und atmete seelenruhig. Sein schlaffes Glied, die Gleichmäßigkeit der Atemzüge und die schutzlose Position, in der er da lag, vermittelten einen friedlichen, ja fast himmlischen Eindruck.
Morth verdrängte einen Anflug von Eifersucht und setzte sich neben den Schlafenden auf die Bettkante. Er fragte sich, ob sich Fuller nach dem Aufwachen an irgendetwas erinnern würde. „Sein Gedächtnis vielleicht nicht, aber sein Körper bestimmt,“ dachte er und blies etwas Kaffeeduft in Richtung von Fullers Gesicht. Dessen Nase begann sich zu regen. Kurz darauf der Mund.

Als sie gingen, kam ihnen an der Tür eine Gruppe Langhaariger in weiten Gewändern entgegen. Morth grüßte lässig, ließ die neuen Gäste durch und packte Fuller am Arm. Der konnte noch etwas Unterstützung beim Treppensteigen brauchen. So recht war er noch nicht von dieser Welt.
Karla hatten sie nicht mehr gesehen. Morth hatte ihr einen herzlichen Dank und etwas Geld da gelassen.

Erst als sie auf der Straße standen, bemerkten sie, dass es schon Abend wurde. Sie mussten also ungefähr zwölf, dreizehn Stunden bei Karla gewesen sein. Oder waren schon zwei Tage vergangen? Wer wollte das beantworten?

Sie gingen an der Ecke in einen Bäckerladen und kauften sich irgendetwas, um ihren Appetit zu stillen. Sie deuteten wahllos auf hellbraune Dinge in der Auslage und die Verkäuferin im weißen Kittel packte etwas ein. Morth brauchte auch noch einen Kaffee, Fuller eine große Flasche Wasser. Er hatte immer noch nichts gesagt, war Morth willenlos gefolgt. Langsam dämmerte es ihm aber und eine große Leere machte sich breit, eine Sehnsucht nach Geborgenheit, Sehnsucht nach Karla. Er begann in seiner Erinnerung zu kramen, aber er fand keinen Halt. Da waren nur unbestimmte Gefühle und die wage Vermutung einer grenzenlosen Entspanntheit, die sich jetzt in eine niederziehende Schwerkraft verwandelte. Morth bugsierte Fuller aus dem Laden.

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2 Gedanken zu “Der kleine Morth (xiv)

  1. Guten Tag!

    Diese E-Mail wird sicher eine Überraschung für Sie sein. Aber haben Sie mal darüber nachgedacht, als Utz Feller oder Frank Schätzing oder Tanja Kinkel einen Haufen Geld zu scheffeln, anstatt hier in Ihrer Miniklitsche über Sektentrottel zu schreiben?

    Überlegen Sie’s sich.

    Und dann rufen Sie mich an.

    B. B. Bruder.

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