Der kleine Morth (ii)

Sein Vater, Christian Morth, wohnte seit mehr als zwanzig Jahren in Afrika. Er handelte mit Diamanten. Eher zufällig. Seine eigentliche Leidenschaft galt der Geschichte. Speziell die der deutschen Kolonien. Er war überall gewesen: Togo, Kamerun, Tansania, China, auf den pazifischen Inseln. In Süd-West war er schließlich hängen geblieben, hatte sich eine Existenz aufgebaut und überwies dem Sohn, der im Mutterland geblieben war, monatlich Geld.

Die beiden kannten sich kaum und die seltenen Treffen hatten auch kein gegenseitiges Interesse geweckt. Viktor Morth war das Ergebnis einer kurzen Ehe zwischen seinem Vater und Tolga Petterson. Seine Mutter war gestorben, als Viktor fünf war, und so war er von den Großeltern väterlicherseits erzogen und ernährt worden, während sein Vater um die Welt reiste, hin und wieder eine Postkarte schrieb: „Liebe Grüße, Dein Paps“ und alle halbe Jahre vorbei kam, um „nach dem Rechten“ zu sehen.

Seit Morth volljährig war und es fest stand, dass er nicht größer als seine 1,65 werden würde, zweifelte er, ob dieser Paps tatsächlich seine Vater sein konnte. Die ganze Familie überragte ihn um mindestens eine Kopflänge. Sogar seine Oma schaute auf ihn herab. Mutter Tolga hatte halb professionell Volleyball gespielt, war also auch nicht gerade klein gewesen. Viktor konnte sich das nicht erklären.

Das Verhältnis zu Oma und Opa war eher geschäftsmäßig geblieben. Die beiden mochten ihn nicht besonders, weil sie seine Mutter und eigentlich auch seinen Vater nicht gemocht hatten. Der Kleine war ihnen Pflicht, und an die Erfüllung von Pflichten waren sie gewohnt. Niemand konnte ihnen eine Versäumnis vorwerfen. Der Junge hatte zu essen gehabt, Kleidung, Urlaub und Bildung. Man war, als er sein Abitur in der Tasche hatte, gewissermaßen quitt.

Mit 19 zog Viktor in seine eigene Wohnung. Er war finanziell und gefühlsmäßig unabhängig. Die Welt stand ihm offen und er trat mit großen Schritten ein.

tbc…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s