Die aktuelle Vaubude

Zu allem Überfluss

Der kleine Morth (lxxvi)

Sie schien immer alles unter Kontrolle zu haben. Ihre Affekte beschränkten sich auf gelegentliches Weinen, wenn sie ihren Kopf nicht durchsetzen konnte und die leidenschaftliche Hingabe, die sie im Bett entwickelte. Im Bett oder auf dem Sofa oder unter der Dusche, so erschien es Morth, entlud sich bei Sue so Manches. Nicht nur ihre sexuelle Lust.

Gerade saß ihm aber wieder ein Monolith an innerer Orientierung und Fokussiertheit gegenüber. Er berichtete ihr davon, wie cool sich alle angesichts seiner Veränderung und dem Tod Stiefers verhielten, wie wenig davon unter die Oberfläche zu dringen schien. Er erzählte ihr von Fuller, Karla und Till, aber er meinte auch sie damit.

„Es ist manchmal nicht so einfach, das, was den beschäftigt, nachzuvollziehen. Ich meine, was weiß ich, wie sehr du Stiefer gemocht hast. Keine Ahnung. So wird es den anderen auch gehen,“ sagte sie dazu. „Und was deine Veränderung angeht. Welche Veränderung denn? Meinst du jetzt dein Malen oder was? Also ich sehe hier immer noch meinen kleinen Morth sitzen.“

„Ja, das Malen zum Beispiel,“ antwortete Morth und kam sich ziemlich lächerlich vor, weil er groß von Veränderungen gesprochen hatte. Wahrscheinlich hatte Sue recht. Er sollte sich entspannen und den Abend genießen. Aber war es nicht so, dass er kurz bevor sie nach New York geflogen waren, so etwas wie Liebe gespürt hatte, Aufgabe, die Fähigkeit einen Menschen als Subjekt zu begreifen? War es nicht so gewesen? Er sah Sue an, die Fanta durch einen Strohhalm sog. Nein, er musste das Thema hier beenden.

Stattdessen zog er vor, sie nach ihrer Afrikaexpedition zu fragen. Sue wurde lebendig. Zelten wollten sie, in freier Wildbahn. Professor Binderlein hatte das schon mehrmals gemacht, sonst würde sie sich das auch nicht trauen. Aber so.

„Du machst das schon,“ warf Morth ein und winkte dem Kellner.

Sue kam mit zu ihm und als das Licht ausgeschaltet war, fiel er über sie her. Sie ließ sich willig in die Kissen fallen und genoss seine drängenden Bemühungen. Er kam schnell und heftig. Danach lag er ruhig in ihrem Arm. Die Gedanken des Tages waren verschwunden und dann dachte er noch, dass alles eine Frage der inneren Einstellung war. Ganz sicher.

4 Kommentare »

  blogozentriker wrote @

Hier ist ein Wortdreher im Spiel, oder? „Im Bett oder auf dem Sofa oder unter Dusche, so erschien es Morth, entlud sich bei Sue so Manches. Nicht nur ihre sexuelle Lust“ – müsste es nicht richtig heißen: „nur nicht ihre sexuelle Lust“?

  Vau wrote @

Nein, werter Leser, es ist nicht so wie sie vermuten, dass Sue zu keiner Lust fähig gewesen wäre. Das war sie, glauben Sie mir, das war sie.

  blogozentriker wrote @

Manchmal, werter Autor, schreibt ein Autor aber auch mehr, als er weiß! Manchmal ist das so, glauben Sie mir, manchmal ist das so …

  vau wrote @

Und Sie, werter Leser, wären dann die Instanz, dieses „Mehr“ zu identifizieren?


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