Als er das nächste Mal aufwachte, fühlte sich sein Kopf an wie Quittengelee, dessen Oberflächenspannung etwas nachgelassen hatte. Die Gehirnmasse schien nach allen Seiten zu drängen und über den Umweg seines Magens ans Freie zu wollen. Um ihn war es mittlerweile stockdunkel. Sein Rücken schmerzte vom langen Liegen auf der harten und unebenen Parkbank. Als er noch genügend Alkohol im Blut gehabt hatte, war ihm das nicht weiter aufgefallen. Jetzt fluchte er leise vor sich hin, New York Style.
„Was macht ein Ami nachts auf einer deutschen Parkbank?“ fragte jemand, der sich in seiner Nähe befand. Fuller fuhr herum und sah eine klein gewachsene Person schemenhaft von der Straße her von hinten auf ihn zukommen. „Mir geht es nicht gut. Da habe ich mich hingelegt,“ antwortete Fuller und das Gelee in seinem Kopf schwappte bei jedem Wort gegen die Schädeldecke. „Nein, eigentlich habe ich nur einen Kater. Geht gleich wieder,“ setzte er hinzu. „Hm,“ machte die fremde Gestalt und setzte sich neben ihn. Ein Auto fuhr hinter ihnen in die Straße ein, an der sich der Park mit den Bänken befand. Lichtkegel huschten über das Gras. Der kleine Mann hatte rotverschmierte Hände. Fuller wurde es unheimlich. „Wer sind Sie?“ fragte er besorgt. „Oh entschuldigen Sie mich. Mein Name ist Morth“ – Fuller zuckte innerlich – „ und mir geht es auch nicht gut.“ Träumte Fuller oder saß er wirklich in Europa auf einer Parkbank mit einem zu kurz geratenen Typen, der blutverschmierte Hände hatte und Morth hieß? Er spürte, wie sich Schweiß unter seinen Achseln sammelte. Schwitzt man in Träumen?
„Ich war gerade beim Malen,“ fuhr Morth fort, „da wurde mir schlecht. Passiert häufiger in letzter Zeit. Nichts körperliches. Nein, nein. Ist auch schon besser. Die Luft, unsere Begegnung. Ein guter Schluck würde mir bestimmt weiter helfen.“ Fullers Rückenmuskulatur entspannte sich. Er lächelte im Dunkeln. Schwein gehabt. Er fragte sich, ob er Morth zu einem Drink einladen sollte. Bestimmt würde das vorzüglich gegen seine Kopfschmerzen helfen und dieser Maler war ihm sympathisch, zumindest seine Stimme und Hände. Morth kam ihm zuvor: „Lust mit mir einen heben zu gehen, Amerikaner? Ich kenne da einen Schuppen mit vorzüglichen Angeboten. Sie scheinen auch einen vertragen zu können.“
Fuller stand auf, seine Beine trugen ihn. Morth kam neben ihm hoch. Er reichte Fuller bis zur Kinnspitze. Die beiden Männer gingen bis zur Straße und überquerten sie. Im Licht eines Schaufensters sahen sie zum ersten Mal ihre Gesichter. Fast scheu betrachteten sie sich. Dann sagte Morth: „Hier geht’s lang,“ und deutete die Straße hinunter. „Wir sind gleich da.“